Es gibt nichts Schöneres, als ein brandneues Fahrrad. Es stellt eine glänzende Option der sportlichen Betätigung und fürs tägliche Pendeln dar – besonders inmitten einer Pandemie. Aber beim Kauf eines neuen Fahrrads spürt man auch immer einen Anflug von Nostalgie, den man bei vielen anderen „erwachsenen” Anschaffungen so nicht hat… Deshalb fühlt es sich auch wie ein emotionaler Tiefschlag an, einem Fahrraddiebstahl zum Opfer zu fallen.

Solltest du eine Versicherung haben, die Fahrraddiebstahl abdeckt, ist das definitiv eine Erleichterung. Aber damit ist die Wunde, die durch den Diebstahl verursacht wurde, noch lange nicht verheilt. Denn lass’ uns der Wahrheit ins Auge blicken – wahrscheinlich ist der erste Gedanke, der dir durch den Kopf geht, nachdem dein Bike gestohlen wurde: „Ich wusste doch, dass ich mein Fahrrad dort drüben nicht hätte anschließen sollen”, oder „Mir war von Anfang an klar, dass ich das Bike hätte besser abschließen müssen”, oder „Warum bin ich nur so ein dämlicher Idiot?

Fahrraddiebstahl

Ein Großteil der Fahrraddiebstähle kann vermieden werden. Was die Realisierung, dass genau dein Fahrrad gestohlen wurde, noch viel schlimmer macht. Um diesem Alptraum zu entgehen, haben wir ein paar Fahrrad-Expert*innen und Fahrrad-Diebstahl-Expert*innen (Leute, deren Bikes gestohlen wurde – und nicht die, die Bikes stehlen) nach ein paar Tipps gefragt, wie du deinen Drahtesel am besten schützen kannst.

Auf Nummer sicher gehen und checken, dass dein Fahrrad auch wirklich abgeschlossen ist

Okay, lass’ uns mit dem (schon fast schmerzhaft) Offensichtlichen anfangen. Wenn du dein Fahrrad abschließt … stell’ sicher, dass es auch wirklich ab- bzw. angeschlossen ist.

Nimm dir ein Beispiel an Scott Indrisek, dem leitenden Lemonade Redakteur „Ich hab’ mein geliebtes Fuji Feather Singlespeed vor ein paar Monaten verloren, weil ich zum Dinner in einem Thai-Restaurant war und mein Bike ‚abgeschlossen’ draußen stehengelassen habe“, erzählt Scott mit der niedergeschlagenen Stimme von jemanden, der weiß, dass er’s versaut hat. 

„Fünfundvierzig Minuten später kam ich wieder raus, nur um zu sehen, dass mein Bike weg war und mein stabiles U-Schloss noch genau dort vom Straßenschild baumelte, wo ich es festgemacht hatte.”

Beim Kauf eines neuen Fahrrads spürt man auch immer einen Anflug von Nostalgie, den man bei vielen anderen „erwachsenen”Anschaffungen so nicht hat. Deshalb fühlt es sich auch wie ein emotionaler Tiefschlag an, einem Fahrraddiebstahl zum Opfer zu fallen.

In seiner Eile, einen Teller voll Hähnchen mit Thai-Basilikum zu verdrücken, tat Scott das Undenkbare: Er schloss sein Fahrrad an einen Poller an, ohne sicherzustellen, dass ein Teil des Fahrrads in die Gleichung mit einbezogen war. „Eine schmerzhafte Lektion”, klagt Scott. 

Das Ganze scheint zwar wie ein leicht vermeidbarer Fauxpas, doch kommt es trotzdem vor, besonders wenn du in Eile bist. Also, check’ einfach doppelt, um sicherzugehen, dass a) dein Fahrrad wirklich mit dem Schloss verbunden ist, und dass b) das Schloss selbst sicher befestigt ist.

Auch offensichtlich – lass’ dein Fahrrad unter keinen Umständen unbeaufsichtigt – sogar dann nicht, wenn du einfach mal schnell ein paar Kaugummis im Laden um die Ecke kaufst. Damit würdest du den Traum eines jeden Fahrraddiebs wahr werden lassen. 

Wie und wo du dein Bike abschließen solltest

Ein schlecht angeschlossenes Bike verschwindet schnell, besonders wenn du in einer Großstadt lebst. Ein paar extra Minuten darauf zu verwenden, wie und wo du dein Fahrrad abschließt, hilft dabei, zu vermeiden, dass dein geliebter Drahtesel Bike-napping zum Opfer fällt. 

„Nur das Vorder- oder Hinterrad an einen Pfahl anzuschließen, ist ein häufiger Fehler”, ließ uns Javier S., der Besitzer des New Yorker Bushwick Bicycle Shop, wissen. Das trifft besonders auf Fahrräder mit sogenannten Schnellspannverschlüssen zu, einer Klemmvorrichtung, bei der Vorder- und Hinterrad mit Leichtigkeit entfernt werden können.

„Solltest du Laufräder mit Schnellspannverschluss haben, macht es das für jeden viel leichter, einfach die Räder zu entfernen und den Rahmen mitzunehmen”, hat uns Javier erklärt. „Stell’ sicher, dass du immer die Räder zusammen mit dem Rahmen anschließt.” Für die Extra-Vorsichtigen unter uns könnte es eine gute Idee sein, zwei Schlösser zu verwenden: ein klassisches U-Schloss für den Fahrradrahmen und eine Kette oder Kabelschloss, das durch beide Räder gefädelt wird. 

Fahrraddiebstahl verhindern

Auch die Location ist extrem wichtig. Wenn du dich in einer großen Stadt wie Berlin, Frankfurt oder Hamburg befindest, gibt es Baugerüste, Straßenschilder und Zaunpfähle, die als Fahrradständer fungieren können, im Überfluss. Jedoch sollten dir ein paar Dinge  bewusst sein, bevor du dein Rad aus den Augen lässt. Dein Fahrrad ist nur so sicher, wie der Gegenstand an dem es festgemacht ist. Such’ dir als ein unbewegliches Objekt, das zudem nicht so leicht zerstört werden kann.

Wenn es ums Anschließen deines Fahrrads geht, sind nicht alle Locations sicher. Vermeide ungesicherte Straßenschilder oder Zäune, und sei extrem vorsichtig, falls du dein Fahrrad an einem Baugerüst festmachst.

Überprüfe das Straßenschild doppelt, um sicherzustellen, dass es sicher im Boden verankert ist. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich Straßenschilder lockern, sodass es einem*einer Dieb*in möglich ist, sie aus ihrer Position zu rütteln und dein Fahrrad mit Leichtigkeit abzumachen. Du solltest auch vermeiden, dein Fahrrad an Holzzäune oder dünne Stahlteile anzuschließen – oder generell an allem, was schnell mit einem Bolzenschneider durchtrennt werden kann.

Wenn du dein Bike an ein Baugerüst anschließt, dann nur an die vertikalen Balken. Die horizontalen Balken eines Gerüstes können leicht losgeschraubt und abgenommen werden, was dein Bike extrem angreifbar macht. Wenn möglich, versuche Baugerüste komplett zu vermeiden. Gerüste sind temporäre Strukturen – umso länger du dein Fahrrad dort anschließt, umso wahrscheinlicher ist es, dass du es irgendwann nicht mehr wiedersiehst.

Dein Fahrrad diebstahlsicher machen

Wenn du es mit der Sicherheit deines Fahrrads ernst meinst, lohnt es sich, in ein paar einfache Modifikationen zu investieren, die die Wahrscheinlichkeit, dass es gestohlen wird, deutlich verringern können. 

Diese können ein Schließsystem für deine Rädern oder eine Sattelklemme involvieren. Javier vom Bushwick Bicycle Shop schlägt vor, Steckachsenschlösser (z.B. von Pinhead, oder anderen Marken) zu nutzen, um sicherzustellen, dass deine Räder nicht schnell abgenommen werden können. Ein weiteres effektives Beispiel ist das Nut-Fix System von ABUS. Es umfasst eine Stahlmutter, die an deinen Rädern angebracht wird, und die mit einer Kappe abgedeckt ist. Diese kann nicht im Stehen, sondern nur dann geöffnet werden, wenn dein Bike auf der Seite liegt. Wenn du nun also dein Fahrrad in aufrechter Position anschließt, ist – et voilá – niemand in der Lage, deine Räder abzunehmen. Diese Art Mechanismen sind relativ günstig, und du hast nicht den Stress, ein paar verschiedenen Schlösser zu nutzen, um deinen Fahrradrahmen plus die beiden Räder zur selben Zeit abzuschließen. 

Und vergiss nicht deine coolen Bike-Accessoires. Der teure Gel-Sattel, den du dir zugelegt hast, ist super komfortabel und sieht noch dazu schick aus – lokale Fahrraddieb*innen würden dir wohl zustimmen. Also, wenn dein Sattel einen Sattelschnellspanner hat, mit dem du mit Leichtigkeit die Sattelhöhe verstellen kannst, dann nimm’ den Sattel am besten mit, sobald du deinen Drahtesel anschließt – oder tausche den Schnellspanner gegen eine regulären Klemmschraube aus, die nicht einfach von Hand gelöst werden kann.

Fahrradsattel Diebstahl

Der Fahrradladen in deiner Gegend kann auch einfach eine Kette zwischen Rahmen und Sattelgestell einfädeln, was eine weitere Art darstellt, Satteldiebstahl zu verhindern. Wenn Ausdrücke wie „Klemmschraube” und „Sattelgestell” dir gar nichts sagen, geh’ einfach zum nächsten lokalen Bikeladen und frag’ sie, ob sie deinen Sattel diebstahlsicher machen können! Fun-Fact: Du kannst auch das schon erwähnte Nut-Fix System von ABUS verwenden, um deinen Fahrradsattel zu sichern.

Pro-Tipp für E-Fahrräder: Wie du bestimmt weißt, ist der Akku des E-Bikes besonders wertvoll. Sollte dieser nicht fest verbaut sein, ist es ratsam, ihn mitzunehmen, sobald du dein E-Bike irgendwo anschließt. Dieb*innen haben den Akku echt schnell geklaut, teilweise auch mitten am Tag.

Wenn du schon dabei bist, deinen Drahtesel diebstahlsicher zu machen, stell sicher, dass du die Rahmennummer deines Fahrrads aufschreibst, und zusammen mit dem Kaufbeleg irgendwo sicher und zugänglich aufbewahrst. Wenn du extra auf Nummer sicher gehen möchtest, kannst du dein Bike personalisieren, indem die Polizei eine spezielle Fahrradcodierung anbringt – entweder in Form einer Gravur, oder eines Aufklebers. Ein zusätzlicher empfohlener Schritt ist, dein Fahrrad online zu registrieren: Trag’ alle Daten so wie Fahrradmodell, besondere Merkmale, Besitzerinfo etc. ein, füg’ ein Foto des Bikes hinzu und erhalte deinen persönlichen „Fahrradpass“. Das kann später mal echt hilfreich sein, wenn du beweisen musst, dass es sich auch wirklich um dein Fahrrad handelt. Zusätzlich kannst du die „Fahrradpass-App” der Polizei verwenden – und alle deine Fahrraddaten online speichern. Wenn es wirklich hart auf hart kommen sollte, schickst du diese ganz einfach an die Polizei sowie deine Versicherung. 

Ein letzter, recht offensichtlicher Tipp: Leg’ dir ein Fahrrad zu, das zu deinem Risiko-Profil passt. Wenn du in einem winzigen Studio-Apartment inmitten einer überfüllten Stadt wohnst und weißt, dass du dein Fahrrad nirgendwo drinnen aufbewahren kannst, ist es wohl an der Zeit zu akzeptieren, dass du das 7.000 Euro teure Titanium Rennrad absolut nicht kaufen solltest – auch wenn du schon so lange damit liebäugelst. Darüber hinaus kommt es auch darauf an, in welcher Stadt genau du wohnst. Nennst du Leipzig, Göttingen oder Münster dein Zuhause, solltest du dir eventuell überlegen von Anfang an ein günstigeres Rad zu kaufen – diese Städte führen die Liste der Orte mit der höchsten Diebstahlrate pro 100.000 Einwohner an. 

Gibt es überhaupt diebstahlsichere Schlösser?

Fahrraddieb*innen sind innovativ, was bedeutet, dass es unwahrscheinlich ist, dass jemand jemals ein Fahrradschloss entwickelt, das zu 100 Prozent diebstahlsicher ist. Jedoch kann die Investition in ein schwer zu knackendes Schloss wenigstens die Diebstahlwahrscheinlichkeit verringern. Es gibt keinen einfachen Weg drum rum: Ein qualitatives Fahrradschloss ist etwas umständlich. Aber günstige, leichte Kabelschlösser können von gewieften Dieb*innen ganz einfach durchtrennt werden, also lohnen sich ein paar Unannehmlichkeiten.

Bezüglich der besten Fahrradschlösser – hier haben wir uns die Expertenmeinung von Chip eingeholt. Zusammen mit einem ihrer Partner haben sie die besten Fahrradschlösser in den verschiedenen Kategorien aufgelistet. Halt dich fest, denn hier kommen sie:

  • Kategorie Kabelschloss: Abus Ivera Steel-O-Flex 7200
  • Kategorie Bügelschloss: Abus Granit X-Plus 540
  • Bestes Faltschloss: Abus Bordo 6000 und
  • Bestes Kettenschloss: Hiplok Gold

Um die detaillierte Bewertung zu checken, wirf gerne einen Blick auf den Gesamtreview bei Chip.

Wie ein gestohlenes Fahrrad wiederbekommen

Gehen wir mal davon aus, dass du alle diese Ratschläge befolgt hast, und irgendwie ist dein Fahrrad trotzdem geklaut worden. Du könntest erst dein lokales Polizeirevier anrufen, um eine Anzeige zu erstatten, und dann (soweit du der stolze Besitzer einer Versicherung bist, die Fahrraddiebstahl abdeckt) einen Schaden melden, um den Betrag für ein neues Bike zurückzubekommen.

Oder du hast dich schon seit dem Tag, an dem du dir dein Bike geholt hast, auf diese Situation vorbereitet. Wir schlagen garantiert nicht vor, dass du deine eigene Fahndung startest, aber es gibt bestimmt einige Schritte, die du unternehmen kannst, um die Wiederbeschaffung deines gestohlenen Fahrrads etwas zu erleichtern. 

Der erste wäre, dir einen GPS-Tracker zuzulegen. Das klingt vielleicht wie etwas, das direkt aus einem Bond-Film stammt, aber Willkommen im Jahr 2020, Baby. Heutzutage sind GPS-Tracker winzig, erschwinglich und können online oder in einem Fahrradladen gekauft werden. Diese können es nicht verhindern, dass dein Fahrrad gestohlen wird, aber können möglicherweise das Tracking im Fall der Fälle erleichtern.

Fahrraddiebstahl Großstadt

Oder wähl’ den Oldschool-Way. Eine mögliche Taktik besteht darin, eine kurze Notiz auf eine winziges Stück Papier zu schreiben und sie in das Sattelstützrohr des Fahrrads zu stecken. Oftmals stehlen Dieb*innen das Fahrrad mit der Absicht, es sofort, beispielsweise auf Ebay, weiterzuverkaufen. Auf deinen Zettel kannst du zusammen mit deiner Handynummer sowas schreiben wie: „Wenn dieses Fahrrad von jemand anderem als [dein Name] verkauft wurde, ist es gestohlen worden“. Das ist vielleicht etwas weit hergeholt, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert und dauert nur drei Sekunden. 

Deckt die Hausratversicherung Fahrraddiebstahl ab?

Jein. Dein Fahrrad ist an erster Stelle Teil deines Hausrats und ist demnach unter der Hausratversicherung gegen Einbruchdiebstahl geschützt. Bricht also jemand in deinen abgeschlossenen Fahrradkeller (mit sichtbaren Einbruchspuren!) ein und lässt dein Rad mitgehen, dann kriegst du den Schaden bezahlt. Jedoch greift die Basis-Hausratversicherung nicht, wenn dir dein geliebter Drahtesel von einem anderen Ort, außerhalb deiner eigenen vier Wände, wie angekettet vor deinem Lieblingscafé, geklaut wird. Jedoch solltest du checken, ob deine Versicherung möglicherweise eine Fahrradklausel enthält, die dein Bike automatisch, auch unter der Hausratpolice, gegen Diebstahl schützt. Trotzdem solltest du auf Nummer sicher gehen und deine Police genauer inspizieren, um zu sehen, ob das auch wirklich der Fall ist. Check’ zudem, was die Schlossvorgaben sind, ob eine Nachtzeitklausel besteht (Zeit zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens, während der Fahrräder nicht gegen Diebstahl geschützt sind), ob Teileklau mit inbegriffen und wie hoch die Erstattungssumme ist.

Und wie ist dein Carbon-Baby bei Lemonade gegen Diebstahl geschützt, fragst du dich?

Bei Lemonade kannst du ganz einfach das Anti-Diebstahl Paket zu deiner bestehenden Hausratpolice hinzubuchen. Mit diesem sind deine Sachen gegen Diebstahl geschützt (nicht nur dein Fahrrad!), ob du in der Unibib sitzt oder gerade Urlaub im Schrebergarten machst. Aber bitte denk daran, dein Fahrrad immer abzuschließen, sonst ist es nicht versichert. Ist dein Bike mehr als 5.000 Euro wert, solltest du zudem den Extra-Schutz aktivieren, es separat zu deiner Versicherungspolice hinzufügen und vom Lemonade Team bestätigen lassen. 

Und kommt es mal Dicke und du musst einen Fahrraddiebstahl melden, kannst du das im Nullkommanix über die Lemonade App tun. Klick’ auf die „Schaden“-Taste, erzähl’ kurz, was passiert ist, und reiche den Schaden samt Polizeianzeige ein.

Am Ende des Tages ist Fahrraddiebstahl ziemlich vermeidbar. Mit ein paar robusten Schlössern und dem Wissen, wie und wo man das Fahrrad wirksam anschließen kann, sollte man gut geschützt sein. Und wenn alle Stricke reißen, solltest du vorbereitet sein, und auf eine Versicherung setzen, die dir den Rücken freihält. Safe riding!

Solltest du an weiteren Facts, rund um das Thema Fahrradversicherung interessiert sein, wirf gerne einen Blick in unseren Blog

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