Wohnungsbesichtigungen sind tricky: In den beliebtesten Vierteln hast du dich womöglich pre-Corona durch angespannte Massenbesichtigungen gekämpft. In Corona-Zeiten checkst du potenzielle  Wohnungen während einer virtuellen Tour vom winzigen Handydisplay aus, oder nimmst an einer Einzelbesichtigung teil, die trotz Abstand und Maske immer ein Restrisiko birgt.

Dennoch sind die Besichtigungstermine unvermeidlich – du findest deinen perfekten Wohnungsmatch nämlich nur, wenn du die Bude selbst von Kopf bis Fuß unter die Lupe nehmen kannst. Corona hin oder her, wer möchte schon gerne nach Einzug feststellen, dass sich die einzige funktionierende Steckdose des neuen Zuhauses im Flur befindet, oder dass man sich das Bad nicht nur mit dem:der Partner:in, sondern auch mit penetrantem schwarzen Schimmel teilt.

Hier kommen wir ins Spiel: Wir haben dir die wichtigsten Fragen zusammengestellt, die du dir plus den Vermieter:innen stellen solltest, um unschöne Überraschungen nach dem Einzug zu vermeiden, wenn du das erste Mal einen Fuß in dein neues Zuhause setzt. Also, let’s go!

Fragen während der Wohnungsbesichtigung

First things first – hier eine Checkliste, um die Eckdaten ‘deiner Wohnung’ in Erfahrung zu bringen. Womöglich kannst du die Punkte schon am Telefon vor der eigentlichen Wohnungsbesichtigung klären. Überspringe diese Schritt gerne, falls die Anzeige bei Immowelt und Co. schon Antworten geliefert hat…

  • Wie lange ist die Wohnung bereits ausgeschrieben?
  • Wie hoch sind die Nebenkosten (Wasser, Heizkosten etc.)?
    Check’ an dieser Stelle, ob du den sogenannten Energieausweis sehen kannst, der Infos über den Energieverbrauch der Wohnung liefert (Hint: Rot ist suboptimal!).
  • Wie lang ist die Mindestmietdauer?
  • In welchem Stockwerk befindet sich die Wohnung? Gibt es einen Fahrstuhl? 
  • Wie viele Parteien wohnen sonst noch im Haus? Und wer sind die möglichen Nachbar:innen?
    Kannst du tagsüber vorbeikommen, um die Wohnung zu besichtigen? Hat viel Vorteile, um ein echtes, ungeschöntes Bild der Bleibe zu bekommen. Beispielsweise siehst du bei Tageslicht alle möglichen Mängel und bekommst ein Feeling für die Wohngegend.

Solltest du mit dem:der Wohnungseigentümer:in telefonieren, stell’ sicher, dass du nicht vor lauter Euphorie alle deine Fragen auf einmal stellst. Du willst ihn:sie ja nicht abschrecken, und dir deine Chancen von vornherein verbauen. Denn wie wir alle wissen, ist der (Miet-)Wohnungsmarkt in den beliebten Wohngegenden alles andere als entspannt. FYI – im Berliner Neukölln beispielsweise kommen auf eine Wohnung über 800 Bewerber:innen (hier kannst du rausfinden, wie du trotzdem eine Wohnung in Berlin findest).

So, soweit du alle Eckdaten erfasst hast, kann der eigentliche Prozess beginnen.

Kurzer Countdown vor der Wohnungsbesichtigung

Check’ die genaue Lage der Wohnung auf einer „Karte”. 

Öffnest du Google Maps und gibst die Adresse ein, kannst du dir einen schnellen Überblick darüber verschaffen, welche Einkaufsmöglichkeiten es in deiner Nähe gibt oder wie die Anbindung an die Öffis aussieht. Gut zu wissen: Wie dir bestimmt schon aufgefallen ist, kannst du die Straßen in den wenigsten Fällen mit dem kleinen orangen Google-Mann ablaufen. Woran das liegt? Google Street-View ist in Deutschland am Datenschutz gescheitert

Pro-Tipp: Treffe am besten schon ein paar Stunden vor dem eigentlichen Besichtigungstermin in der Gegend ein, um dir live ein persönliches Bild zu machen. Geh’ beispielsweise mal alle Wege zum Supermarkt und zum nächsten Park ab, damit du auch weiterhin deinen Herabschauenden Hund im Grünen perfektionieren kannst. 

Und wenn du schon dabei bist – laufe (bzw. fahre) auf jeden Fall mal den Weg zur Arbeit oder der Uni ab, um sicherzugehen, dass du auch bereit dazu wärst, diesen täglich in Kauf zu nehmen. 

Was während der Wohnungsbesichtigung fragen

Die Wohnungsbesichtigung

Falls es möglich ist, eine weitere Person zur Wohnungsbesichtigung mitzubringen, schnapp’ dir eine:n deiner Freund:innen, der:die ein besonderes Auge für Details hat. Du willst ja keinesfalls die versteckten Löcher in der Wand hinter dem Bauhaus-Regal übersehen. Instruiere mögliche Begleitpersonen jedoch vorher, damit diese nicht bei jedem kleinen Mangel das Gesicht verziehen, als hätten sie in eine Zitrone gebissen. Das dürfte nicht ganz so gut ankommen.

Und nun zum Kern des Artikels, der ultimativen Fragen-Checkliste:

Fragen zum ersten Eindruck/ Ambiente der WohnungWie sieht das Treppenhaus aus?

1. Wie sieht das Treppenhaus aus?

2. Wie riecht die neue Wohnung? War der:die Vormieter:in womöglich Raucher:in?

3. Wie hell ist die Wohnung?

Muss der:die Vermieter:in um 15:00 Uhr schon das Licht einschalten, um sich in der Bude zu orientieren? Nicht umweltschonend und geht total auf die Stromrechnung. Mal ganz abgesehen von der Stimmung.

Fragen zur Struktur der Wohnung

1. Funktionieren die Sanitäranlagen und gibt es Strom?

Auch wenn’s eventuell ein bisschen direkt erscheint – frage während der Wohnungsbesichtigung, ob du mal kurz den Wasserhahn aufdrehen und dein Handy in der Steckdose laden kannst, um zu checken, ob beides funktioniert.

2. Wie viele Steckdosen gibt es und liegen sie dort, wo du sie brauchst und erreichen kannst?

Geh’ auf Nummer sicher und überprüfe, dass es auch mindestens zwei funktionierende Steckdosen im Badezimmer gibt, damit du deine elektrische Zahnbürste plus Föhn einstöpseln kannst. Dasselbe gilt fürs Schlafzimmer. Am besten sind dort Steckdosen in Bettnähe, damit du dein geliebtes Handy, falls du das möchtest, über Nacht griffbereit laden kannst.

3. Wie ist die Wohnung aufgeteilt? Wie viele Quadratmeter hat das Wohnzimmer, Schlafzimmer etc.?

Hast du bisher ein gutes Gefühl bezüglich dir und der Wohnung, solltest du eventuell schon während der Wohnungsbesichtigung sehen, wo du deine Möbel hinstellen könntest bzw. wie alles reinpassen könnte.

Wenn es die Traumwohnung ist, und du deine abgewetzte Couch aus Bachelorzeiten aufgrund von Platzmangel ersetzen musst, ist das womöglich kein Weltuntergang. Solltest du jedoch 6 von deinen 10 Möbelstücken nicht mitnehmen können und bist kein passioniertes Mitglieder der Minimalismus-Bewegung, wird die Wohnung wohl nicht zu deinem nächsten Zuhause.

Noch ein Tipp: Bring’ unbedingt einen Zollstock zur Wohnungsbesichtigung mit. Erstens, um zu checken, wie du deine Möbel unterbringst, und zweitens, um eventuell zu überprüfen, ob die Wohnungsgröße stimmt. Leider schummeln manche Vermieter:innen bei der Größenangabe. Steht eine größere Fläche im Vertrag, können sie logischerweise auch mehr Miete verlangen. 

4. Wie ist der Zustand der Fenster?

Sind sie doppelt oder dreifach verglast? Sehen die Rahmen ok aus? 

Im Winter kann durch schlechte Fensterqualität viel Wärme verlorengehen. Vielleicht ist das total ok für dich, aber wenigstens solltest du dir darüber im Klaren sein.

5. Wie sind die Wände beschaffen?

Kannst du sie anbohren, um deine gerahmten Prints und Regale aufzuhängen?

6. Wie sieht’s aus mit Lagermöglichkeiten?

Darfst du den Keller mitbenutzen und gibt’s eventuell einen Dachboden? Hat die Wohnung einen Parkplatz? Wenn du auf die Fortbewegung mit deinem Drahtesel schwörst: Gibt’s einen Fahrradabstellplatz?

Kategorie ‘Others’

1. Sind Haustiere erlaubt?

Auch wenn du momentan noch keinen flauschigen Lieblingsbuddie hast, träumst du vielleicht schon immer davon, eines Tages eine Katze oder ein Kaninchen aus dem Tierheim zu adoptieren. Dann sollte das in der neuen Wohnung auf jeden Fall möglich sein.

Haustiere Wohnungsbesichtigung

2. Musst du den Nachweis einer Hausrat- oder Privathaftpflichtversicherung bringen?

Um Eines klarzustellen – eigentlich darf der:die Vermieter:in diesen Nachweis laut dem Deutschen Mieterbund gar nicht erst verlangen, auch wenn es eine Klausel dazu im Mietvertrag gibt. Jedoch sieht es in der Praxis oft ganz anders aus und viele Wohnungseigentümer:innen machen den Nachweis zum Pflichtkriterium. Demnach solltest du dir die zwei Versicherungen besser holen, ganz allein damit du nicht von vornherein aus dem Auswahlprozess aussortiert wirst. Eigentlich kein Wunder, dass der:die Vermieter:in so erpicht auf eine Privathaftpflichtversicherung ist. Diese deckt in der Regel unter anderem Schäden an der Mietwohnung plus der mitgemieteten Einrichtung ab, die du unabsichtlich verursacht hast (aka Mietsachschäden).

Die Hausratversicherung hingegen schützt deine eigenen Sachen, beispielsweise gegen Schäden durch Leitungswasser, Feuer und Einbruchdiebstahl.

Liebst du deinen Kram und hast dir über die Jahre ein bisschen was angesammelt wie einen Flatscreen TV, oder eine Retro-Schallplattensammlung, lohnt sich der Abschluss nicht nur für deine:n Vermieter:in.

Gut zu wissen: Bist du ein Teil der studierenden Bevölkerung, gilt für dich eventuell noch immer der Versicherungsschutz deiner Eltern (lies hier gerne mehr zur Privathaftpflichtversicherung für Student:innen nach).

‘Unbequeme’ Fragen

1. Gab es mal Feuchtigkeit oder Schimmel in der Wohnung oder Ungeziefer jeglicher Art (Ratten, Wanzen, Ameisen, eine Zombieattacke)?

Schau dem:der Vermieter:in während dieser Frage unbedingt tief in die Augen – nicht wie ein Creep, versteht sich. Weicht er:sie den Fragen dezent aus und sieht etwas suspicious aus, dann sollten bei dir alle Warnlampen leuchten.

Egal ob die Wohnung nun noch so toll ist, mit Schimmel- oder Ungezieferbefall ist nicht zu spaßen (iiihh).

2. Wer sind die Nachbarn und wie dick sind die Wände zu den Nachbarn?

Erklärt sich von selbst.

Aber spitz’ während der Wohnungsbesichtigung mal ordentlich die Ohren. Auch Verkehrslärm kann unheimlich stören und dich von der Arbeit oder dem Lernen im Homeoffice ablenken.

3. Warum sind die Vormieter:innen ausgezogen?

Wir drücken dir die Daumen, dass der:die Vermieter:in eine gute Antwort parat hat, á la ‘hat eine Familie gegründet’ oder ‘ist in eine andere Stadt gezogen’.

Ganz kurz: Was solltest du zur Wohnungsbesichtigung (noch) mitbringen?

Bis jetzt haben wir festgestellt, dass du, wenn möglich, ein weiteres Paar Augen zum Wohnungscheck mitbringen solltest, sowie einen Zollstock. Das Folgende solltest du sonst noch griffbereit haben:

  • Schufa-Auskunft, die nicht älter als drei Monate ist. Auf meinschufa.de kannst du diese beantragen. Sie gibt Auskunft über deine Kreditwürdigkeit.
  • (Die letzten drei) Einkommensnachweise von deinem Arbeitgeber
  • Mietschuldenfreiheitsbescheinigung (OMG!) – kannst du von deinem:deiner ehemaligen Vermieter:in beantragen. Das Dok bestätigt, dass du deine Mieter immer pünktlich gezahlt hast, und es von deiner Seite aus nie Probleme gab.
  • Kopie deines Persos

In Corona-Zeiten wird es bevorzugt, alle Infos digital vorliegen zu haben. Doch hier gilt: Schick’ deinem:deiner möglichen Vermieter:in nur die wichtigsten Infos und überflute sie nicht mit Zusatzmaterialien. Bei 30 Seiten, die erstmal gesichtet werden müssen, vergeht auch den geduldigsten Personen die Lust, die Wohnung an dich zu vermieten.

Das Wichtigste zum Schluss

Nachdem wir dir alle wichtigen Fragen, die du unbedingt bei deiner Wohnungsbesichtigung stellen solltest, mit auf den Weg gegeben haben, bleibt nur noch eins: Wie fühlt es sich an, wenn du dir vorstellst in deinem Bett in der neuen Wohnung aufzuwachen? Kannst du dich in dieser Wohnung mit einem Kaffee in der Hand am Fenster sitzen sehen? 

Wenn du beides mit ‘Nope’ beantwortest, ist die Wohnung kein Fit für dich.

Auch wenn sonst alle Kriterien auf deiner Liste erfüllt sind, es muss einfach von Anfang an klicken.

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