Vorauszuplanen und sich gegen alle möglichen (und unmöglichen!) Szenarien abzusichern, scheint auf den ersten Blick tief in der deutschen Kultur verankert (#Alman). ‘Die Deutschen’ besitzen laut Statista im Schnitt ganze 6 Versicherungen und legen etwa 1.500 Euro jährlich für den selbstgemachten Seelenfrieden auf den Tisch, Tendenz steigend.

Doch der springende Punkt ist: Welche Versicherungen gehören nun wirklich zu den Basics, die du unter keinen Umständen missen solltest und welche solltest du, da Null Nutzen, in die metaphorische Tonne treten?

Um diese Fragen (und mehr!) zu beantworten, nehmen wir dich mit auf die Reise tief  ins Innere der Versicherungsmaterie. Gemeinsam beleuchten wir, welche Versicherungen du womöglich schon hast, welche du wirklich brauchst, und last but not least, welche du dir schenken kannst. Keine Sorge, es ist nicht halb so kompliziert wie du vielleicht denken magst. Also, let’s go.

Welche Versicherungen sind Pflicht?

Es gibt einige gesetzlich vorgeschriebene Versicherungen, die du wahrscheinlich genau aus diesem Grund – nämlich weil sie Pflicht sind – bereits besitzt. Lass’ uns direkt zum Punkt kommen; die Liste beinhaltet folgende Versicherungen:

  • (Gesetzliche oder private) Krankenversicherung: Diese übernimmt Kosten für medizinische Behandlungen, Medikamente und Co. und wurde in 2009 zur Liste der Pflichtversicherungen hinzugefügt. Stell’ dir vor, bei einem Unfall wurde nicht nur dein stylisches E-Bike in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch dein Schienbein. Es ist gebrochen. Auf den ersten Blick mega ärgerlich und schmerzhaft, auf den zweiten bedeutet das ohne Versicherung um die 3000 Euro anfallende Behandlungskosten. Keine Kohle, die du locker aus dem Ärmel zauberst? Gut, dass dir die Krankenversicherung den Rücken frei hält. Das ist übrigens nicht in jedem Land so (Hint: USA) – wir können uns in diesem Fall also recht glücklich schätzen!
  • Kfz-Haftpflichtversicherung (nur relevant, wenn du einen fahrbaren, motorisierten Untersatz besitzt): Die Kfz-Haftpflicht springt für dich ein, wenn du andere während der Nutzung eines motorisierten Fahrzeugs verletzt oder deren Sachen beschädigt oder zerstört hast. In Deutschland darf übrigens (abgesehen von ein paar seltenen Ausnahmen) ohne die Kfz-Haftpflichtversicherung kein motorisiertes Fahrzeug auf die Straße. 
Kfz-Haftpflichtversicherung
  • Berufshaftpflichtversicherung (wenn du einer bestimmten, oftmals beratenden, Berufsgruppe angehörst, wie beispielsweise der der Ärzt:innen, Architekt:innen oder Anwält:innen). Die Berufshaftpflicht gehört, wie’s der Name schon spoilert, zur Gruppe der Haftpflichtversicherungen. Es geht also bei dieser immer um andere, in diesem Fall um deren Gesundheit oder Finanzen, die von dir unabsichtlich in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Berufshaftpflicht deckt Schäden, die du anderen bei der Ausübung einer selbständigen beruflichen Tätigkeit zufügst. Bist du beispielsweise Steuerberater:in und erhebst viel zu spät – nach Ablaufen der Frist –Einspruch gegen einen falschen Steuerbescheid und deine Klientin bekommt deshalb das verdiente Geld nicht zurück, dann springt deine Berufshaftpflichtversicherung für dich ein. Sie covered die finanziellen Schäden deiner Klientin.
  • Hundehaftpflichtversicherung (logo, nur wenn du einen Hund besitzt): Die Versicherung schützt dich, sollte dein Fur Baby anderen Verletzungen oder Schäden zufügen (OMG!). Sie ist in gewissen Bundesländern, so wie beispielsweise Berlin, Hamburg und Niedersachsen für alle Hunde Pflicht. Andere Bundesländer, wie Bremen, Hessen und NRW verpflichten nur Hundehalter:innen von sogenannten Listenhunden, also als eher gefährlich eingeschätzte Hunderassen, zum Versicherungsabschluss. Übrigens, verursachen deine anderen Haustiere Schäden oder Verletzungen, dann ist das ein Fall für die Privathaftpflicht.

Jetzt, da wir die Liste der Versicherungen, die in der Regel Pflicht sind, abgeklappert haben, lass’ uns zum Kern des Ganzen kommen: den Must-have-Versicherungen, die wirklich Sinn machen.

Welche Versicherungen brauchst du?

Um das zu beantworten, hilft ein kurzer Blick auf die Versicherungs-Grundlagen: Wofür sind Versicherungen überhaupt gut, abgesehen davon, dass alle zusammen so viel kosten, wie dein geplanter Backpacking-Trip auf Sri Lanka? Im Klartext springen Versicherungen für dich in die Bresche, sollte es ganz Dicke kommen. Sie übernehmen mithilfe der gepoolten Mitgliedsbeiträge anfallende Kosten, für die du im Worst-Case-Szenario nicht aus eigener Tasche aufkommen könntest. So schützen sie dich davor, von einem Moment auf den anderen alles zu verlieren. Also vor dem finanziellen Ruin. 

Der Clou ist hier, dass eine Versicherung nur dann wirklich Sinn macht, wenn das Risiko besteht, dass ein Schaden, eine Verletzung etc. auch wirklich zu deinem finanziellen Ruin führen könnte. Wenn du für den potenziellen Schaden locker selbst aufkommen kannst, dann lohnt sich die Absicherung wenig. Denn entgegen allgemeiner Vorstellungen sollte eine Versicherung nicht dazu dienen, dich gegen alle möglichen ‘Wenn-dann-Szenarien’ zu schützen – sondern nur gegen die, die dein Leben auf einschneidende Weise negativ beeinflussen könnten. 

Um kurz den Unterschied zu veranschaulichen: Verursachst du einen Unfall, bei dem mehrere Menschen schwer verletzt werden (wir hoffen, dass das nie passiert!), dann kann das zu Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe führen. Lässt du hingegen dein MacBook ‘runterfallen, dann kostet der Ersatz des guten Stücks um die 1.000 Euro. Ersteres kannst du noch nicht mal annähernd selbst übernehmen, zweiteres reißt eventuell eine dicke Lücke in deinem Konto,  ist aber realistisch gesehen nicht komplett unbezahlbar.

Es gewinnt also nicht derjenige von uns, der die meisten Versicherungen hat, sondern der, der weise auswählt – ganz nach dem Indianer-Jones Prinzip (“Eure Wahl war weise!”).

Pro-Tipp: Du solltest ab und zu deine Lebenssituation evaluieren und grundlegende Veränderungen tracken. Bist du eventuell mit deiner besseren Hälfte zusammengezogen oder hast ordentlich investiert und deine Vintage-Plattensammlung um 12 Deluxe-Pieces erweitert? Beides mögliche Fälle, für die eine Erweiterung deines Versicherungsschutzes Sinn machen könnte.

Doch genug zur Theorie. Hier ist er, ein Überblick über die wichtigsten Versicherungen, die du nicht skippen solltest:

#1 Die Privathaftpflichtversicherung.

Die Kurzform: Sie hält dir den Rücken frei, solltest du anderen oder den Sachen anderer einen Schaden zufügen. Dabei reicht der Schutz von kleineren Malheuren, wie verschüttetem Rotwein auf dem Sofa deines Besties, bis zu dramatischen Fällen, wie chronischen Verletzungen Dritter.

Im Schadensfall musst du, ohne Privathaftpflicht, mit allem haften, was du hast.  Schäden – besonders wenn andere Menschen durch deine Unachtsamkeit schwer verletzt wurden – können in die Millionen gehen. Eine Privathaftpflicht lohnt sich also allein schon aus diesem Grund.

Zusätzlich verteidigt dich deine Privathaftpflicht notfalls sogar vor Gericht – und wehrt ungerechtfertigte Schadensersatzansprüche gegen dich ab. 

Und das Beste, mal ganz abgesehen vom umfassenden Schutz? Die Versicherung schlägt sich kaum auf deinen Geldbeutel. Bei Lemonade beispielsweise beginnt die private Haftpflichtversicherung schon ab 2 Euro im Monat und ist jederzeit von jetzt auf gleich kündbar.

Trotzdem gibt’s laut dem Statista Global Consumer Survey von 2020 noch immer viele, die sich keine Privathaftpflicht geholt haben: In der Gruppe der über 2.000 befragten 18-64-Jährigen sind’s ganze 34 Prozent.

Privathaftpflichtversicherung Lemonade

#2 Die Hausratversicherung.

In der Regel schützt die Hausratversicherung deine Sachen gegen Schäden durch: Feuer, Rauch, Explosion, Einbruch, Raub, Vandalismus, Sturm, Hagel, Kollision mit einem Fahrzeug oder Luftfahrzeug sowie Wasserschäden durch bestimmungswidrig austretendes Leitungswasser, wie einen Rohrbruch oder undichte Geräte (z.B. deine Waschmaschine).

Wie du siehst, deckt die Hausratversicherung eine ganze Reihe von möglichen Schadensereignissen ab. Stell’ dir mal folgendes Szenario vor: Ein Wasserschaden zerstört dein gesamtes Hab und Gut, inklusive deiner teuren Elektronik. Shit happens – gut, wenn man dann eine Hausratversicherung hat. 

Jedoch muss man hier klarstellen, dass sich diese Versicherung nur dann lohnt, wenn du auch wirklich Kram besitzt. Schwörst du auf Minimalismus und nennst nicht viel außer einem eigenen Toaster und ein paar Klappstühlen dein Eigen, dann lohnt es sich nicht, diese gegen mögliche Schäden abzusichern. Auch im Worst-Case-Szenario könntest du nämlich noch alle Kosten (den Ersatz deiner 5 Besitztümer) selbst tragen.

Deine Überlegung sollte folgende sein: Kannst du alle deine Sachen leicht von deinem eigenen Geld ersetzen? Wenn deine Antwort, so wie die von vielen, ‘nein’ lautet, dann ist es Zeit für eine Hausratversicherung. 

#3 Die Wohngebäudeversicherung

Ganz zu Anfang: Diese ist nur wichtig, solltest du eine Wohnung oder ein Haus dein Eigen nennen (#Adulting).

Im Prinzip deckt die Gebäudeversicherung ähnliche Schadensfälle wie die Hausratversicherung ab, nämlich durch Feuer, Wasser etc. Nur, was beschädigt wurde, das ist anders. Während es sich bei der Hausratversicherung um deine Sachen handelt, springt die Gebäudeversicherung bei Schäden am – Überraschung – Wohngebäude und festverbauten Bestandteilen, so wie der Heizungsanlage oder dem Parkettboden, ein. 

Stell dir vor, du hast einen Wasserrohrbruch, der dein Nussholzparkett (#Bonzen-Alarm) ruiniert – ein Schadensfall, der unheimlich ins Geld geht – gut, wenn man dann abgesichert ist.

Noch was: Wir empfehlen zusätzlichen Schutz gegen ‘Elementarschäden’, der dein Häuschen gegen Unwetterschäden, so wie Überschwemmungen, Erdrutsche, oder Blitzschlag absichert. 

#4 Die Auslandsreisekrankenversicherung. 

Sind die Worte „Fernweh” und „Wanderlust” Teil deines Lieblings-Vokabulars? Und schwingst du dich bei jeder sich bietenden Gelegenheit hinters Lenkrad und auf ins Abenteuer weitab der deutschen Grenze? Dann solltest du dir eine Auslandskrankenversicherung (was ein Wort) zulegen. Ist eigentlich ein No-Brainer, da sich die Policen nicht großartig auf dein Konto schlagen – laut Finanztip gibt’s sie für Singles für weniger als 10 Euro im Jahr. Solltest du im Ausland krank werden oder medizinische Versorgung benötigen, dann übernimmt diese Versicherung die anfallenden Kosten. Doch Vorsicht: Für Corona mag das nicht unbedingt gelten. Das solltest du in Anbetracht der Pandemie eventuell nochmal vorab überprüfen.

#5 Die Berufsunfähigkeitsversicherung. 

Sie ist wichtig, wenn du dir, so wie die meisten, durch deinen Job dein Leben finanzierst. Im Wesentlichen deckt dich diese Versicherung für Fälle ab, in denen du aus gesundheitlichen Gründen keiner Arbeit mehr nachgehen kannst, also berufsunfähig wirst. In einer solchen Situation springt zwar auch der Staat für dich ein, doch meistens reichen die monatlichen Zahlungen der sogenannten Erwerbsminderungsrente nicht aus, um über die Runden zu kommen. Doch lies dich unbedingt etwas in die Materie ein – gehörst du beispielsweise zur Gruppe der Beamten, oder bist altersmäßig nicht mehr taufrisch, dann ist die BU möglicherweise nicht die richtige Wahl für dich. 

#6 Die Risiko-Lebensversicherung.

First thing first, diese Versicherung dient hauptsächlich dazu, deine Family (oder andere, die du selbst bestimmst), nach deinem möglichen Tod abzusichern.

Die Lebensversicherung macht Sinn, wenn du der:die Haupt-Brötchenverdiener:in der Familie bist und wegfällst. Die Versicherung springt beispielsweise ein, wenn du deine bessere Hälfte – die kaum ‘was verdient und noch Schulden abbezahlen muss – samt Kinder zurücklässt. Sie stellt die Existenzsicherung der Zurückgebliebenen dar.

Bist du single und keiner ist finanziell von dir abhängig, dann macht die Versicherung womöglich wenig Sinn. 

Risiko-Lebensversicherung

Welche Versicherungen kannst du dir schenken? 

Wie oben schon angesprochen, kannst du mit gutem Gewissen die Versicherungen skippen, die für Schäden aufkommen, die du locker selbst bezahlen könntest. 

Hier holen wir eine Prise Expert:innenmeinung ein: Die Verbraucherzentrale hat sich zum Thema zu Wort gemeldet und labelt einige ‘Geräteversicherungen’, wie  beispielsweise die Laptop-, Brillen- und Handyversicherung, als überflüssig. Wie im oben genannten Beispiel, kannst du es in den meisten Fällen verkraften, dir ein neues Handy zuzulegen, ohne komplett in die finanzielle Misere zu geraten. Außerdem werden gewisse Geräteschäden eventuell schon von deiner Hausratversicherung abgedeckt, oder fallen alternativ in den Einzugsbereich der Herstellergarantie oder Gewährleistung. Doch es kommt natürlich auf den Einzelfall an. Die Geräteversicherung macht eventuell Sinn, wenn du vorher ordentlich geblecht und dir extrem teure Modelle zugelegt hast.

Eine weitere Versicherung, die im Kontext ‘unnütze Versicherungen’ oftmals hochploppt, ist die Glasbruchversicherung. Macht eigentlich Sinn – kommt es beispielsweise zu Schäden an deiner Fensterscheibe, kannst du für diese oftmals von deinem eigenen Geld aufkommen. Fun-Fact: Bestimmte Glaselemente, so wie dein schmuckes Fernsehtischchen, werden eventuell schon unter deiner Hausratpolice gedeckt. Jedenfalls, wenn der Schaden durch ein versichertes Schadenereignis verursacht wurde. Auch Stiftung Warentest äußert sich zum Thema Glasbruch: „Nur wer viele große Glasflächen, beispiels­weise einen verglasten Wintergarten hat, sollte über den Schutz nach­denken.”. 

Last but not least, kann man sich die Reisegepäckversicherung und Insassenunfallversicherung schenken. Letztere hat eine große Überschneidungsfläche mit der Kfz-Haftpflicht, die jede:r Autobesitzer:in bereits hat. 

Schlussanmerkung

Wir hoffen, unser Überblick war hilfreich im Streben nach deinem perfekten Versicherungsschutz. An dieser Stelle möchten wir jedoch nochmal betonen, dass du nicht vollkommen auf das Prinzip ‘One-Size-fits-all’ vertrauen solltest. Stattdessen lohnt es sich zu überprüfen, welche Versicherungen zu deinen individuellen Bedürfnissen und Lebensstil passen.

Kategorien: #Versicherung

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