Bevor du dich für ein neues Smartphone entscheidest, oder einen Trip buchst (#aftercoronadreams), liest du dir wahrscheinlich erstmal zahlreiche Bewertungen durch, um die beste Entscheidung für dich und dein Portemonnaie zu treffen. 

Denn für die meisten unserer Lebensbereiche haben wir schon lange verinnerlicht, dass Fakten Vermutungen schlagen. Besonders, wenn wir Entscheidungen darüber treffen, wofür wir am besten unser Geld ausgeben sollten.

Doch trifft dasselbe eigentlich auch auf Spenden an Wohltätigkeitsorganisationen zu? In der schieren Flut an NGOs – im Jahr 2019 gab es allein in Deutschland über 23.000 Stiftungen (der Hauptgründungsform wohltätiger Organisationen) –  verliert man sich schnell. Also, wie treffen wir die für uns richtige Entscheidung, an welche Organisation unsere Spende gehen soll? Wir haben die Antwort. 

Spoiler: Es dreht sich alles um das Thema Wirksamkeit. 

Und mit genau diesem Gedankengang tauchen wir tiefer in die Materie der Wohltätigkeit ein –  bis hin zur Kernfrage: Warum entschließen sich Menschen überhaupt dazu, an wohltätige Zwecke zu spenden und was macht das Spenden mit uns?

Warum wir spenden

Studien zufolge ist Spenden im Wesentlichen eine soziale Handlung. 

Wir wählen Spendenzwecke basierend auf unseren persönlichen Erfahrungen, oder aufgrund von Freund:innen, die Geld für eine bestimmte Organisation sammeln/ bereits an einen bestimmten Zweck gespendet haben. So zeigt eine Studie der Universität San Diego, dass Menschen deutlich mehr an ihre Uni spenden, wenn ihr:e ehemalige:r Mitbewohner:in sie darum bittet als wenn eine völlig fremde Person dies tut.
Und es sind nicht nur unsere Freund:innen und Familie, die uns beeinflussen. Laut der online Spendenplattform JustGiving vergrößern wir mit hoher Wahrscheinlichkeit unsere eigene Spende, wenn wir sehen, dass ein:e andere:r Spender:in vor uns mehr gegeben hat.

Effektiver Altruismus Lemonade

Außerdem fühlen wir uns zu Projekten hingezogen, die auf unmittelbare Hilfe angewiesen sind – auch wenn diese nur eine geringe Anzahl an Menschen betrifft. Malaria tötet weit mehr Menschen, als durch Naturkatastrophen so wie Erdbeben umkommen. Doch weil die Krankheit fortbesteht, es jedoch nicht so oft in die Medien schafft, triggern Malaria-Hilfsorganisationen nicht dieselbe emotionale Dringlichkeit wie Naturkatastrophen. 

Wir können also festhalten, dass wir uns bei der Wahl unserer Spendenzwecke in den meisten Fällen an unserem sozialen Umfeld und an Dingen, die uns betreffen, begeistern oder persönlich mitnehmen, orientieren.

Aber es gibt noch einen Grund, warum Menschen spenden: den sogenannten ‘Warm Glow Effect’, oder ‘Warmes Glühen Effekt’.

Die Warm Glow Theorie

In den späten 1980ern führte der Wirtschaftswissenschaftler James Andreoni an, dass innere Beweggründe für unser Spendenverhalten viel wichtiger sind, als bis dahin anerkannt wurde. Er ließ sich einen Namen für seine These einfallen – die ‘Warm Glow Theorie’ – welcher sich bis heute gehalten hat.

Laut der Warm Glow Perspektive der Philanthropie spenden Menschen kein Geld dafür, Krebs zu heilen. Sie spenden stattdessen, um die ‘innere Wärme’ zu spüren, die damit einhergeht, die Art Mensch zu sein, die zur Heilung von Krebs beiträgt.

In einer Studie konnten Psycholog:innen der Universität Sussex Andreonis ‘Warm Glow’ wissenschaftlich belegen. Ihre Forschungsergebnisse basieren auf der Analyse bestehender Studien, die die Gehirnscans von mehreren tausend Menschen, während einer Spendenentscheidungen, zeigten.

Zum ersten Mal unterschied das Forschungsteam während der Analyse zwischen dem, was im Gehirn der Menschen passiert, die aus reinem Altruismus handelten, also wenn für ihn:sie rein gar nichts dabei heraussprang – und denen, die aus ‘strategischer Güte’ handelten, wenn die Möglichkeit bestand, etwas für sich selbst herauszuholen. 

Kurzum, sie unterschieden zwischen zwei Gruppen: einer, die handelte ohne eine Gegenleistung zu erwarten, und der anderen, die eine primär opportunistische Herangehensweise zum Spenden wählte.

Die Wissenschaftler:innen aus Sussex fanden heraus, dass das Belohnungszentrum des Gehirns stärker aktiviert wurde (also mehr Sauerstoff verbrauchte), wenn Menschen aus ‘strategischer Güte’ handelten, als aus reinem Altruismus.

Jedoch fanden sie zusätzlich heraus, dass auch altruistische Taten, ohne die Hoffnung auf einen persönlichen Nutzen, das Belohnungszentrum des Gehirns aktivierten. Einige Hirnregionen wurden während der altruistischer Handlungen sogar stärker aktiviert, als bei Handlungen motiviert durch ‘strategische Güte’. Die Ergebnisse zeigen, dass Situationen, in denen unsere einzige Motivation darin liegt, anderen zu helfen und uns dadurch gut zu fühlen, definitiv etwas Besonderes an sich haben.

Spenden mit Wirkung Lemonade

Sollten wir „besser” spenden?

Kurzer Recap: Was uns zum Spenden motiviert, sind nicht nur soziale Handlungen und persönliche Erfahrungen, sondern auch das wissenschaftliche belegte ‘Warme Glühen’. Also das gute Gefühl, das einhergeht, wenn wir uns selbst als gute Menschen wahrnehmen. Der ‘Warm Glow’ unterscheidet sich grundlegend vom klassischen Altruismus, bei dem wir anderen komplett ohne eine Gegenleistung zu erwarten, helfen.

Und wie beeinflusst dies nun unsere Spendenverhalten? Folgendermaßen: Faktoren wie das ‘Warme Glühen’ können uns davon ablenken, an die wohltätigen Organisationen zu spenden, die es am meisten brauchen. 

Verhältnismäßig sehr wenig wird beispielsweise an den Umwelt- und Naturschutz gespendet, obwohl das Thema den Deutschen zufolge höchste Priorität hat. Jährlich gehen laut Statista nur ca. 3,5 Prozent der Gesamtspenden an Umweltprojekte. 

Laut One Earth – One Ocean, einem unserer deutschen Giveback Partner, schreitet die Verschmutzung der Gewässer so stark voran, dass die Weltmeere in wenigen Jahren vollständig vermüllt sein werden. 

Demnach sollten Spenden an den Meeresschutz viel höher ausfallen – denn Fakt ist nun mal, dass der Zustand unserer Weltmeere alles Leben auf der Welt beeinflusst.

Allgemein müssen wir versuchen, Wege zu finden, unsere Spendenverhalten so zu optimieren, dass es die größte Wirkung erzielt. Und das bringt uns schließlich zum effektiven Altruismus.

Effektiver Altruismus

Der von William MacAskill, Professor an der Universität Oxford, geprägte Begriff des ‘effective altruism’, oder effektiven Altruismus, beschäftigt sich mit der Frage, wie wir mit den beschränkten Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, so viel Gutes wie möglich tun können. Man versteht den effektiven Altruismus sowohl als Philosophie, als auch als eine soziale Bewegung. 

Altruismus bedeutet, dass man das Bedürfnis hat, Menschen zu helfen. Fügt man nun die Komponente der Wirksamkeit hinzu, nimmt die Idee weit komplexere Formen an – dann geht es nämlich darum, etwas gut zu machen. 

MacAskill bringt ein einfaches Beispiel:

„Stell’ dir vor, du könntest entweder fünf Personen, oder nur eine Person vor dem Ertrinken retten. Es handelt sich um eine tragische Entscheidung, und du kannst nicht beide retten. Also entscheidest du dich dafür, anstatt nur einem Leben, fünf Leben zu retten, weil fünfmal so viele Interessen auf dem Spiel stehen.”

Auf dieselbe Art kannst du, wenn du Geld an eine Wohltätigkeitsorganisation spendest, möglicherweise ein Leben retten. Wenn du jedoch denselben Betrag an eine andere Organisation gibst, bedeutet das womöglich, dass du hunderte von Leben retten kannst. 

Wenn wir die Entscheidung für oder gegen eine wohltätige Organisation treffen, sollten wir basierend auf den Prinzipien des effektiven Altruismus die folgenden Eigenschaften in den Vordergrund stellen:

  • Größe – wie viele Leben sind betroffen?
  • Grad der Vernachlässigung – wie viele Ressourcen wurden bereits für diesen Zweck aufgewendet?
  • Lösbarkeit – würden zusätzliche Ressourcen das Problem ein für allemal lösen?

Nehmen wir erneut unseren Partner One Earth – One Ocean, der sich für die Reinigung der Gewässer von (Plastik-)Müll einsetzt.

Die Verschmutzung der Meere betrifft uns alle (Größe). Aufgrund dieser – momentan befinden sich laut dem Umweltprogramm der UN ca. 150 Millionen Tonnen Plastik in unseren Gewässern – sterben nicht nur zahlreiche Meerestiere, sondern es gelangt zusätzlich Mikroplastik ins Wasser. Dieses wird dann über die Nahrungskette von uns Menschen aufgenommen. Den Effekt, den der Kunststoff auf uns hat, ist noch nicht vollständig erforscht. 

Mit „traditionellen” Methoden der Müllsammlung in den Meeren haben wir es bisher nicht geschafft, das Plastikproblem einzudämmen (Grad der Vernachlässigung). 

Also hat One Earth – One Ocean mit der Maritimen Müllabfuhr ein Konzept zur Sammlung und Verwertung von Plastikmüll aus den Gewässern entwickelt und erprobt. Spezielle Müllsammelschiffe sammeln den Plastikmüll, der dann wieder in den Stoffkreislauf gebracht wird (Lösbarkeit).

Es ist die Art von innovativem Denken, auf die effektive Altruist:innen abzielen.

Ein weiterer Lemonade Giveback Partner, dessen Mission und Handeln sich mit dem effektiven Altruismus vereinbaren lassen, ist Viva con Agua.

Die Vision von Viva con Agua ist „Wasser für alle – alle für Wasser!“ – sie setzen sich dafür ein, dass alle Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser, Hygieneeinrichtungen und sanitärer Grundversorgung erhalten. Denn das Ausmaß des vorliegenden Problems ist riesig – laut Viva con Agua haben 2,2 Milliarden Menschen weltweit keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser (Größe).

Einen guten Zweck auswählen

Durch den Lemonade Giveback steht soziales Engagement im Kern unseres Geschäftsmodells.

Lemonade Giveback

Wir möchten es so einfach wie möglich für dich machen, Gutes zu tun. Das bedeutet, dass wir sichergehen müssen, dass alle Organisationen, die unsere Kund:innen im Rahmen des Givebacks auswählen können, transparent und vor allem wirkungsvoll sind. 

Viele unserer Kund:innen schlagen wohltätige Organisationen vor, die ihnen am Herzen liegen, und wir untersuchen alle unsere NGOs näher, bevor wir sie zu unserem Giveback Programm hinzufügen. Einmal im Jahr berechnen wir den jährlichen Giveback, und finden so genau heraus, welchen Einfluss deine nicht in Anspruch genommenen Beiträge haben.

Englische Webseiten wie GiveWell können dabei helfen, die effektivsten Organisationen, also die mit der größten Wirkung, ausfindig zu machen. Für den deutschsprachigen Raum existiert das Hilfswerk effektiv-spenden.org, welches Teile der Empfehlungen von GiveWell übersetzt und eine Spendenberatung basierend auf den Kriterien des effektiven Altruismus anbietet. 

Und wie war das nochmal mit den Spendensiegeln?

Die Tatsache, dass es Websites wie Give Well (noch) nicht ausreichend für den deutschsprachigen Raum gibt, macht es schwieriger, eine faktenbasierte Entscheidung zu treffen, was die Wahl einer NGO angeht, die man gerne unterstützen möchte. Viele von uns verlassen sich aus diesem Grund auf Spendensiegel. Diese können in der Tat einen gewissen Anhaltspunkt bezüglich der Zuverlässigkeit der jeweiligen Organisation bieten. Sie sollten jedoch nicht als einzige Basis der Entscheidungsfindung genutzt werden. 

Das bekannteste deutsche Siegel, das DZI-Spenden-Siegel, deckt viele wichtige Kriterien ab, die eine NGO erfüllen sollte. So sind beispielsweise ausschließlich Organisationen gelistet, die eine zielgerichtete und sparsame Nutzung der Spendengelder versichern können. Jedoch wird beispielsweise die erzielte Wirkung  der jeweiligen Wohltätigkeitsorganisation nicht vom DZI selbst  überprüft. Außerdem können sich kleinere NGOs das (teure) Siegel selten leisten und sind demnach in der Bewertung außen vor.

Ein weiteres Beispiel ist das Phineo-Wirkt-Siegel, welches das Wirkungspotenzial einer wohltätigen Organisation bewertet. Leider begrenzt sich das Siegel hauptsächlich auf deutsche Organisationen/ Projekte innerhalb Deutschlands. 

Der effektive Altruismus jedoch sieht vor, dass ein Euro in armen Ländern viel mehr bewirken kann als ein Euro in einem so „reichen” Land wie Deutschland. Effektive Altruist:innen empfehlen daher, mehr an Entwicklungsländer zu spenden als an wohltätige Ländern, auch wenn diese das Phineo Siegel tragen sollten.

Wie oben schon angedeutet, sollten die Siegel aus diesen Gründen nicht als einzige Kriterien zur Spendenauswahl dienen.

Herz über Kopf

In einer Welt, in der so viele Menschen Hilfe benötigen, wird es immer schwieriger zu entscheiden, wie, und an wen wir unsere Ressourcen Zeit und Geld spenden sollten.

Unsere Herzen treiben uns weit mehr an als unser Verstand. Das mag nicht immer das Beste für uns sein, aber es ist das, wonach die meisten von uns leben. Jedoch kannst du, wenn du einen Spendenzweck mit Erfolgsaussichten und getesteten Lösungsansätzen auswählst, einen enormen Unterschied machen.

Wirf’ einen Blick auf die komplette Liste aller wohltätigen Organisationen, die Teil des Lemonade Giveback Programms sind. 

Schlussanmerkung

Falls du dich gefragt haben solltest, welchen Einfluss die Pandemie auf das Spendenverhalten der Deutschen hatte: Laut eines Berichts der Tagesschau haben die Deutschen in Corona-Jahr so viel gespendet wie selten zuvor. Die Spendenhöhe lag laut dem Marktforschungsinstituts GfK bei ganzen 5,4 Milliarden Euro. 

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