Abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, Stromausfall. Stürme sind nicht nur ungemütlich, sondern haben das Potenzial, erhebliche Schäden anzurichten.

Damit nicht nur der Schaden so schnell wie möglich beseitigt werden kann, sondern auch direkt klar ist, wer die Kosten übernimmt, solltest du wissen, an welche Versicherung du dich im entscheidenden Moment wenden kannst.

Generell gesehen, kommen die Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherung für Sturmschäden auf. In manchen Fällen fallen diese jedoch auch unter den Einzugsbereich deiner Privathaftpflicht. Gemeinsam gehen wir auf die verschiedenen Versicherungen und deren Deckungen im Sturmschadensfall ein – inklusive Praxisbeispiele. Lass’ uns beginnen.

Welche Versicherung übernimmt Sturmschäden an deinem Haus?

Hat der Sturm Schäden an deinem Wohngebäude, also den Gebäudebestandteilen wie beispielsweise dem Dach, Wänden, Fenster, oder den fest eingebauten Teilen wie der Heizungsanlage verursacht, dann ist das ein Fall für die Wohngebäudeversicherung.

Sturmschäden abgedeckte Dächer

Gedeckte Schäden unter der Gebäudeversicherung – Beispiele: 

  • Ein Sturm hat die Dachziegeln von deinem Dach abgedeckt. Es regnet rein und eine deiner Türen und ein Fensterrahmen sind komplett aufgeweicht. Sowohl das Dach, als auch die Gebäudebestandteile wären abgedeckt.
  • Einer der Bäume in deinem Garten (der vorher nicht schon morsch war!) wird vom Sturm umgerissen, stürzt auf dein Haus und reißt Teile davon ein.
  • Dein Schornstein ist durch den Wind abgeknickt und auf Teile deines Hauses gefallen
  • Ein Baum, der im Garten deines Nachbarn steht, wurde vom starken Wind umgerissen und ist auf dein Gartenhaus gefallen.

Doch etwas Vorsicht in dieser Situation: Du musst vorher überprüfen, dass das Gartenhäuschen auch Teil deiner Versicherungsdeckung ist. Nebengebäude, die sich auf deinem Grundstück befinden, wie dein Schuppen oder die Garage, sind nur dann mit abgesichert, wenn du sie explizit in der Police angibst.

Baumentfernung vom eigenen Grundstück? 

Stell’ dir vor, ein Baum wurde umgerissen und ist auf deinem Grundstück gelandet. Ärgerlich. Glücklicherweise hat dieser nichts weiter beschädigt, aber liegt jetzt halt in deinem Garten rum. Normalerweise musst du in diesem Fall den Baum selbst wegschaffen oder jemanden dafür engagieren, der ihn wegräumt. Die Gebäudeversicherung übernimmt in der Regel nicht die Entfernung, außer, der Fall ist so in der Versicherungspolice aufgezählt. 

Welche Versicherung übernimmt Sturmschäden an deinen Sachen?

Sind deine „losen” Besitztümer in deinem Zuhause, also alles, was du bei einem Umzug mitnehmen würdest, wie dein Laptop, Kleidung und Möbel, durch einen Sturm zu Schaden gekommen, dann springt die Hausratversicherung für dich ein.

Gedeckte Schäden unter der Hausrat – Beispiele: 

  • Der Sturm hat dein Dach abgedeckt und der Wind zieht ordentlich in deine Wohnung. Durch einen extra heftigen Windstoß wird deine Vintage-Kristallvase von der Kommode geweht und zerspringt in 1000 Teile.
  • Der Lenker deines im Hof des Wohngebäudes angeketteten Fahrrads fällt dem Sturm zum Opfer und ist jetzt stark verbogen. 

Was nicht versichert ist:

  • Dinge, die sich außerhalb deines Zuhauses befinden und die du nicht richtig abgesichert hast, sind nicht mit abgedeckt. Wenn du also deine Gartenmöbel, Rasenmäher und Blumentöpfe nicht mit reinnimmst oder bombenfest anbindest, dann sind diese nicht versichert, sollten sie weggeweht und beschädigt werden. Keine Sorge, deine Markise und Antenne sind auch draußen versichert.
  • Hast du dein Fenster bei starkem Sturm nicht geschlossen und es geht innen was zu Bruch, dann ist das nicht abgedeckt.
Sturmschäden Hausratversicherung

Und hier noch ein paar zusätzliche Fakten zu Sturmschäden unter der Gebäude- und Hausratversicherung.

Zusätzliche Unwetter(-Schäden) unter der Gebäude- und Hausratversicherung

Gebäude- und Hausratversicherungen greifen erst, wenn ein Sturm von einer Windstärke von mindestens 8 den Schäden an deinem Haus oder deinen Sachen verursacht hat. Das entspricht circa 62-74 km/h Windgeschwindigkeit.

Doch wie lässt sich das für eine:n Nicht-Meterolog:in nachweisen? Normalerweise geht vor einem solchen Wetterereignis eine Sturmwarnung des deutschen Wetterdienstes durch die Nachrichten. Und kommt es zum Sturm, bist auch nicht allein du betroffen. Haben deine Nachbar:innen auch Schäden zu berichten, dann reicht das deinem Versicherer meistens als Beweis aus.

Sturm ist übrigens nicht der einzige wetterbedingte Schadensfall, der in deiner Hausrat- und Gebäudeversicherungspolice mit inbegriffen ist. Auch Hagel fällt unter den Basisschutz. 

Möchtest du dich gegen weitere Wetter-Schäden absichern, lohnt es sich eventuell, den Schutz gegen sogenannte Elementarschäden zu deiner bestehenden Police dazuzubuchen. 

Bei Lemonade heißt der Extra-Schutz „Extremwetter Paket”. Das Add-On schützt deine Sachen zusätzlich zu Sturm und Hagel gegen Wasserschäden durch Überschwemmungen, witterungsbedingten Rückstau, Erdbeben, Erdsenkungen, Erdrutsche, Schneedruck, Lawinen und Vulkanausbrüche. Du kannst dieses in ein paar Klicks zu deiner Hausratpolice hinzubuchen (Gebäudeversicherungen bieten wir momentan noch nicht an). 

Welche Versicherung übernimmt Sturmschäden an deinem Auto?

Sturmschäden an deinem Auto (mindestens Windstärke 8)  werden in der Regel von deiner Teilkaskoversicherung abgedeckt. Dasselbe gilt für Schäden durch Überschwemmung, Blitzschlag und Hagel. 

Gedeckte Schäden unter der Teilkasko – Beispiele: 

  • Teile eines abgeknickten Baumes fallen auf die Motorhaube deines Autos und drücken diese komplett ein.
  • Der Wind weht einen Mülleimer gegen dein Auto, der den Lack verkratzt.

Was nicht versichert ist: 

  • Selbstverschuldete Schäden durch den:die Autobesitzer:in werden von der Teilkasko sogut wie nicht gedeckt. Dafür brauchst du eine Vollkaskoversicherung. Liegt also ein entwurzelter Baum auf der Straße, du siehst ihn zu spät und fährst in ihn rein, dann zahlt nur die Vollkasko.

Allgemein gilt bei Autoschäden: Sofort melden. Viele Versicherungen übernehmen Schadensfälle und anfallende Reparaturkosten an deinem Auto nur, wenn du sie innerhalb einer Woche meldest.

Sturmschäden umgefallene Bäume

Was passiert, wenn andere oder deren Sachen während des Sturms durch dich zu Schaden gekommen sind?

In der Regel werden Schäden, die du anderen aus Versehen zufügst – also wenn du ihre Sachen beschädigt oder sie verletzt –, von deiner Privathaftpflichtversicherung gedeckt. So läuft es auch bei Sturmschäden.

Gedeckte Schäden unter der Privathaftpflicht – Beispiele: 

  • Der Blumenkasten auf deinem Balkon wird ‘runtergeweht und fällt auf ein geparktes Auto, was nun eine riesige Delle hat.
  • Dein geparktes Fahrrad ist durch den Sturm umgekippt und hat das Auto deiner Nachbarin zerkratzt.

Aufpassen: Ist der Schaden durch etwas von deinem eigenen Haus oder einem Teil deines Grundstücks passiert, dann ist das kein Fall für die Privathaftpflicht. Sollte sich beispielsweise einer deiner Dachziegeln lösen und das Nachbargebäude beschädigen, dann springt die Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung ein.

Was solltest du unbedingt vor und nach einem Sturm tun, um das Risiko möglichst gering zu halten?

Vier Verhaltenstipps vor einem Sturm

  • Alle Fenster schließen.
  • Lose Gegenstände reinholen bzw. sichern oder anschließen (z.B. Steine auf Mülltonnendeckel legen, damit diese nicht aufgehen)
  • Rollläden entweder ganz oben oder ganz unten lassen (besser oben, sonst fühlt es sich noch gruseliger an).
  • Auto sicher parken (in einem Carport oder der Garage) – auf keinen Fall direkt neben Bäumen.

Action-Items nach einem Sturm

  • Checken, dass der Sturm auch wirklich vorbei ist. Besteht Gefahr für dich, solltest du dich (noch) nicht aus deinem Zuhause wagen.
  • Ist es wirklich sicher, dann kannst du dich auf die Socken machen. Ein kurzer Rundgang  ums Haus gibt dir die Möglichkeit zu überprüfen, ob etwas zu Schaden gekommen ist.
  • Mache Fotos und Videos vom Schaden, um alles so genau wie möglich festzuhalten.
  • Melde die Schäden so schnell wie möglich bei deinem Versicherer.
  • Wenn du siehst, dass etwas zu Schaden gekommen ist, dann lass’ es nicht schlimmer werden. Hat dein Dach beispielsweise durch weggeflogene Dachziegel ein Loch, dann solltest du es notdürftig mit Folie abdichten, damit es nicht (noch mehr) reinregnet und zu Folgeschäden kommt. Aber natürlich auf eine sichere Art und Weise, ohne dich selbst in Gefahr zu bringen. Das Ganze nennt sich ​​„Schadenminderungspflicht”.

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Wir hoffen, dass du jetzt besser über das Bescheid weißt, was bei einem Sturm zu tun ist und darüber, welche Versicherungen genau dir in einer solchen Situation den Rücken freihalten.

Aber natürlich hoffen wir noch mehr, dass du und deine Lieben von starken Stürmen möglichst verschont bleiben.

Kategorien: #Versicherung

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