Ist Arbeitsfreude ein Oxymoron? 

Für die meisten der deutschen Arbeitnehmer*innen ist dies (leider) der Fall: 85 Prozent fühlen sich, laut des Gallup Engagement Indexes, bei der Arbeit weder engagiert noch motiviert.

In anderen Worten, fast neun von zehn Deutschen verbringen den Großteil des Tages damit, Dinge zu tun, die sie nicht tun wollen, und noch dazu an einem Ort, an dem sie eigentlich gar nicht sein wollen.

Das beeinflusst auch die Arbeitgeber*innen. Unternehmen mit geringem Mitarbeiterengagement verzeichnen laut einer Studie des Harvard Business Reviews eine um 18 Prozent niedrigere Produktivität, eine um 16 Prozent geringere Rentabilität, ein um 37 Prozent geringeres Arbeitsplatzwachstum und langfristig gesehen einen um 65 Prozent niedrigeren Aktienkurs.

Es ist nicht überraschend, dass die überwiegende Mehrheit (87 Prozent) der Unternehmen laut Deloitte Insights angeben, dass Kultur und Engagement eine ihrer größten Herausforderungen darstellen.

Wenn dies für Arbeitgeber*innen nun zur Top-Priorität gehört, warum sind dann die meisten Arbeitnehmer*innen kaum engagiert? 

„Arbeit wird auf der Annahme strukturiert, dass wir sie nur tun, weil wir müssen“, erklärt Psychologe Barry Schwartz in der New York Times. Um eine engagierte Belegschaft zu schaffen, müssen Unternehmen eine nachhaltige und dauerhafte Arbeitskultur der täglichen Fürsorge fördern.

Die Forschung hinter der Arbeitszufriedenheit

Nehmen wir die Studie des Verhaltensökonomen (und Lemonades Chief Behavioral Officer) Dan Ariely unter die Lupe, in der er Fabrikarbeiter*innen eine von drei E-Mails schickte: Die erste versprach den Arbeiter*innen eine kostenlose Pizza, sollten sie ihre Arbeit vollständig erledigen, die zweite versprach ein seltenes Kompliment von ihrer Chef*in, und die letzte einen Bonus in bar. 

Was hat die Mitarbeiter*innen letztendlich am meisten dazu motiviert ihre Arbeit zu erledigen? 

Wenn du gerade an den Cash-Bonus gedacht hast, liegst du falsch. Die Pizza und das Dankeschön waren die stärksten Motivatoren.

Während finanzielle Anreize dazu beitragen, Arbeitnehmer*innen überhaupt erst mit ins Boot zu bekommen, trägt ein Bonus kaum zum Arbeitsengagement bei: „Du liebst deinen Job gleich, ob du nun jährlich 28.000 Euro verdienst oder 280.000 Euro”, erklärte Psychologe Arthur Brooks während eines Interviews mit The Atlantic. 

Pizza und Komplimente vermitteln Mitarbeiter*innen ein vorübergehendes Gefühl von Wertschätzung, so Dan Ariely. Ein Gefühl von Fürsorge, Wertschätzung und Sinnhaftigkeit am Arbeitsplatz zu fördern, motiviert Mitarbeiter*innen mehr als externe Entschädigungen wie Geld. 

Doch Arielys Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen Pizza und Komplimente helfen nicht, wenn du als Arbeitnehmer*in mit deinem Gehalt knapp über die Runden kommst und kaum deine eigene Miete zahlen kannst. Seit Corona werden bestimmt Berufe, wie beispielsweise Pflege- und Reinigungskräfte, plötzlich als  „systemrelevant“ betitelt und bekommen mehr Aufmerksamkeit. Obwohl wir schon lange wissen, dass Pflegepersonal, Kassierer*innen und viele mehr die nicht wegzudenkende Basis unseres Systems ausmachen, wird das Personal weiterhin unterbezahlt und ist extrem überarbeitet. Arbeitnehmer*innen in diesen Branchen fordern nun mehr als nur Applaus als Wertschätzung –  und zwar eine faire Bezahlung und das Ende der Dauer-Überbelastung. 

Gehen wir jedoch wieder von Unternehmen aus, die ausreichende Bezahlung bieten… Sollten diese, basierend auf Arielys Forschung, einfach weniger in Arbeitnehmerboni und Vergütungen investieren und ihre Mitarbeiter*innen stattdessen mit Pizza und Dankesschreiben motivieren? 

Nicht direkt. Was die Produktivität der Arbeitnehmer*innen der Studie angeht, kehrten alle innerhalb von circa einer Woche zu ihrem Ausgangsniveau zurück. Obwohl diese Arten von Belohnung also dazu beitragen können, dass sich die Mitarbeiter*innen am Arbeitsplatz wahrgenommen und umsorgt fühlen, haben sie keine langfristigen Auswirkungen.

Arbeitskultur

Eine fürsorgliche Arbeitskultur schaffen

Was bedeutet es, eine fürsorgliche Arbeitskultur zu schaffen? Es geht darum, dass Führungskräften wirklich etwas an ihren Mitarbeiter*innen liegt, Mitarbeiter*innen sich füreinander einsetzen, und dass jedem das Ziel des Unternehmens wichtig sind, laut Harvard Business Review. Und es geht darum, wie Menschen andere behandeln und wie sie selbst ihre eigene Arbeit sehen.

Aber jede Person und jedes Unternehmen sind anders es gibt keine allgemeingültige Formel wenn es um Zufriedenheit, Sinnhaftigkeit und Produktivität geht. 

Hier ein paar Wege, wie Firmen eine fürsorgliche Arbeitskultur fördern können:

1. Sich kümmern beginnt ganz oben

Führungskräfte, die nicht nur auf die Menschen um sie herum achten, sondern es ihnen auch bewusst zeigen, spielen eine wichtige Rolle, um ein fürsorgliches Arbeitsumfeld zu fördern.

Wenn Führungspersonen ihren Fokus auf andere legen und ihr Team unterstützen, ohne etwas im Gegenzug zu verlangen, ermutigt das andere, das Gleiche zu tun. Dies wiederum setzt eine Kettenreaktion in Gang, anderen etwas Gutes zu tun, so Psychologe Adam Grant in seinem Buch Givers and Takers”.

Hier ein paar effektive Wege, wie Führungskräfte etwas für ihr Team tun können, die zu einer angenehmen Arbeitsumgebung beitragen können:

1. Tu’ anderen kleine Gefallen, die nicht mehr als fünf Minuten in Anspruch nehmen – sowas wie zwei Menschen miteinander bekannt machen, Feedback geben, oder deinen Rat anbieten.

2. Widme jede Woche etwas Zeit dazu, anderen Menschen auszuhelfen.

3. Wähle eine oder zwei Arten, wie du anderen helfen kannst, die dir wirklich Spaß machen und in denen du gut bist, anstatt von allem ein bisschen was zu machen.

Soziale Arbeitskultur

2. Schaffe Gelegenheiten, um etwas zu bewirken

In einer Umfrage an das Lemonade Team, gaben 92 Prozent an, dass das Lemonade Giveback Programm, bei dem nicht in Anspruch genommene Beiträge an wohltätige Zwecke gespendet werden, zu ihrem Glücklichsein bei Lemonade beiträgt.

Und sogar ein größerer Prozentsatz 96 Prozent der Lemonade Teammitglieder sagt, dass Lemonades Business-Modell, das dazu geschaffen wurde, das Beste in anderen zum Vorschein zu bringen, zu ihrer Arbeitszufriedenheit beiträgt. Das Business-Modell ist darauf ausgerichtet, mehr Vertrauen aufzubauen, da Lemonade, im Gegensatz zu anderen Versicherungsunternehmen nicht davon profitiert, Schadensansprüche abzulehnen. 

Das Schaffen einer Unternehmensvision, klare Kommunikation, wie genau die Arbeit der Mitarbeiter*innen das große Ganze beeinflusst, und der Austausch von User-Erfolgsgeschichten sind nur einige der Möglichkeiten, wie Unternehmen ein Gefühl von Sinnhaftigkeit vermitteln können.

3. Teile Informationen, wann immer möglich

Vertrauen ist das Rückgrat einer bedeutungsvollen und verlässlichen Beziehung, und treibt eine fürsorgliche Arbeitskultur an. Wie kann ein Unternehmen Vertrauen zwischen seinen Mitarbeiter*innen fördern? Durch radikale Transparenz.

Wenn Führungspersonen hinter den Kulissen Firmenupdates und Pläne mit ihrem Team teilen, haben Mitarbeiter*innen eine größere Beteiligung am Unternehmen, sowie bekommen ein Gefühl von Wertschätzung vermittelt.

Transparenz ist der Nummer 1 Faktor, der zum Glücklichsein der Mitarbeiter*innen beiträgt, so eine Studie von Tiny Pulse, einem Tool für Mitarbeiterumfragen. Sie fanden eine Korrelation von 94 Prozent zwischen Glücklichsein an der Arbeit und einer transparenten Unternehmenskultur. Zudem ist Transparenz laut Finanzexpertin Henrike von Platen ein wichtiges Tool im Kampf gegen die Gender Pay Gap. Sie fordert Transparenz, was den Lohn angeht, dass Geld mehr zum Gesprächsthema werden muss, um Gehaltstransparenz und ein faires Lohnsystem zu etablieren.” Für Unternehmen gilt demnach, dass Mitarbeiter*innen die Möglichkeit haben sollten herauszufinden, wie genau sich ihr jeweiliges Gehalt, auch im Vergleich zu dem der Kolleg*innen, zusammensetzt.

Fazit 

Die Schaffung einer positiven, fürsorglichen Arbeitskultur führt zu engagierten Teammitgliedern, bedeutungsvollen Arbeitsbeziehungen und höheren Unternehmensgewinnen.

Soweit das Basisgehalt stimmt, sollten Unternehmen Bargeld-Boni weniger Relevanz zuschreiben und stattdessen in Praktiken investieren, die Mitarbeiter*innen das Gefühl geben, eine Rolle im Unternehmen zu spielen und wirklich geschätzt zu werden. Und hin und wieder Pizza und Bier ausgeben, würde auch keinem wehtun. 

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