Mit dem Kaffee-to-go Styroporbecher morgens zur Vorlesung, Plastikbesteck beim Angrillen am See, Trinkhalme bei der nächsten Bad Taste-Party – lass’ mal Folgendes auf dich wirken: Als gesamte Menschheit haben wir bisher ca. 9.2 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Und das Ding ist, dass es keine Infrastruktur gibt, um diesen Abfall zu verarbeiten – 6.3 Milliarden Tonnen davon werden laut einer Studie von Science Advanced niemals recycelt werden. Das entspricht dem Gewicht von einer Milliarde Elefanten. 

Plastik ist aufgrund seiner katastrophalen Auswirkungen auf unsere Meere und Meereslebewesen in den Schlagzeilen. Es macht laut Earth’s Oceans Foundation circa 90 Prozent des gesamten Mülls, der auf der Meeresoberfläche treibt, aus. Dies tötet jährlich nicht nur Millionen von gefährdeten Meereslebewesen, sondern führt zusätzlich dazu, dass Fische sogenanntes Mikroplastik aufnehmen – kleinste Kunststoffteilchen, die durch ultraviolettes Licht und Wellen zersetzt werden.

Das ist nicht nur für die Meereslebewesen problematisch, sondern auch letztendlich für uns, wenn wir diese konsumieren. Mikroplastik konnte laut einer Studie, die in Water Research veröffentlicht wurde, in Meersalz und sogar Mineralwasser nachgewiesen werden. 

Unternehmen und Politiker nehmen endlich die Anregungen von Umweltaktivisten ernst, den Kunststoffverbrauch zu reduzieren. So beschloss das Kabinett die Umsetzung des EU Einwegplastik-Verbots ab Sommer 2021. Sag Adieu zu Styroporbechern, Kaffee-Umrührstäbchen, Plastikbesteck und -Tellern. Zudem haben sich 60 Staats- und Regierungschef*innen in einer gemeinsamen Erklärung darauf geeinigt, dass bis 2050 kein Plastikmüll mehr in die Meere gelangen soll. So gut sich das anhört, ist das jedoch nur ein kleiner Anfang. Plastik beherrscht mittlerweile unser Leben und ist selbst in Zahnpasta und Peelings zu finden. 

Die Plastikproduktion boomt

Innerhalb der letzten zehn Jahre haben Menschen mehr Plastik produziert als im ganzen letzten Jahrhundert zusammengenommen. Jede Minute werden laut The Guardian auf der ganzen Welt eine Million Plastikflaschen gekauft, und die Anzahl steigt noch immer.

Kunststoffe haben die Weltraumforschung, Luftfahrt und Medizin vorangebracht. Das Problem mit Plastik ist, dass wir es für Dinge produzieren, die wir nicht brauchen. 

Laut der Non-Profit-Organisation Plastic Oceans wird ungefähr die Hälfte des weltweit produzierten Plastiks nur ein einziges Mal benutzt – so wie der Plastiktrinkhalm in deinem Eiskaffee, oder das Besteck aus Plastik, das du zu deiner Essensbestellung dazu bekommst. 

Das, was Kunststoff problematisch macht, ist, dass er nicht biologisch abbaubar ist, und bis zu tausend Jahre bestehen bleiben kann. 

Uns wurde immer und immer wieder eingebläut, dass Recycling die Lösung des Plastikproblems darstellt. Jedoch ist das Problem mittlerweile zu groß, als dass es durch Recycling allein gelöst werden könnte. Zusätzlich lenkt es uns möglicherweise von der eigentlichen Problematik ab: der Überproduktion von Kunststoff.

Die genannten Statistiken dienen nicht dazu, dich in die Depression zu stürzen – und geh’ nicht davon aus, dass der Kampf gegen den Kunststoff schon längst verloren ist. Sie sollen uns als Warnsignal dienen – für die Zukunft unseres Planeten und den nächsten Generationen. Zumindest gibt es einen kleinen Lichtblick und einen EU-weiten positiven Trend zu weniger Plastikverbrauch durch das EU-Plastikverbot ab 2021. Da ist ein kleiner Jubel angebracht, denn Regierungsverordnungen wie diese sind von entscheidender Bedeutung. Doch auch auf persönlicher Ebene kannst du viel erreichen und dazu beitragen, die Umwelt und dich selbst zu schützen. Folgend findest du einige praktische Tipps, wie du dich persönlich der Anti-Plastik-Bewegung anschließen und täglich kleine Änderungen vornehmen kannst, um weniger Plastik zu verwenden und somit die Verschmutzung durch Kunststoffe zu verringern.

Plastik vermeiden - Meereslebewesen

1. Hör’ auf, Plastik zu verwenden

Hört sich offensichtlich (und schwierig) an, oder? Ja – Gewohnheiten zu ändern ist hart.  Aber um dich wirklich selbst zu testen, mach’ dir Notizen wie oft du in deinem Alltag Einwegkunststoff begegnest. Und halt’ das Ganze schriftlich fest, wenn du kannst!

Such’ dann die Fälle raus, die wirklich unnötig sind. Vielleicht  kaufst du Sachen in kleinen (Einzel-)Verpackungen anstatt in großen Mengen oder du bestellst dir immer Eis im Becher anstatt in der Waffel. Sei’ dir dieser kleinen Entscheidungen bewusst.

Mach’ schließlich einen Plan, um deinen unnötigen Plastikkonsum zu eliminieren (oder zumindest drastisch einzuschränken). Während eine einzige umweltbewusste Entscheidung noch nicht viel hilft, können positive Gewohnheiten zur wirklichen Reduzierung des Kunststoffverbrauchs beitragen. 

Glücklicherweise gibt es zahlreiche schnelle Hacks, die es einfacher denn je machen, deinen Plastikkonsum einzuschränken:

Liebst du deinen morgendlichen Coffee-to-go, koch ihn dir entweder Zuhause und nimm ihn im Thermobecher mit zum Job oder hab’ für deine Kaffeepause einen schicken Mehrweg-Becher in deiner Tasche. Du kannst dir auch einen Strohhalm aus Edelstahl zulegen und ihn in dein lokales Café mitnehmen. 

Die Initiative Better-World-Cup in Berlin macht es vor, wenn es darum geht, den Verbrauch von Einwegbechern drastisch zu reduzieren. Wenn du dir also in einem Café, das an der Bewegung teilnimmt, deinen Morning Brew holst, kannst du nicht nur deren Kaffee genießen, sondern bekommst gleichzeitig einen Preisnachlass, wenn du deinen eigenen wiederverwendbaren Becher mitbringst. Eine zusätzliche Option ist, von RECUP, einem landesweiten Pfandsystem für Kaffeebecher, Gebrauch zu machen. 

Auch auf Plastikflaschen komplett zu verzichten, stellt einen relativ offensichtlichen Schritt in die richtige Richtung dar. Deutsches Leitungswasser ist generell gesehen von ziemlich guter Qualität – also gibt es aus gesundheitlicher Sicht keinen wirklichen Grund, Flaschenwasser zu trinken.

Wenn das pure Leitungswasser nicht so nach deinem Geschmack ist, kannst du einfach einen BRITA Wasserfilter benutzen, oder kauf dir einen Sodastream, wenn du Wasser mit Kohlensäure bevorzugst. Fun-fact: Du kannst sogar unterwegs deine Mehrwegflaschen auffüllen – dank der mehr als 5.200 Refill Stations und Brunnen in ganz Deutschland. 

Mehrwegbecher - Plastik vermeiden

Auch Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte haben sich bereits seit einigen Jahren dem Kampf gegen Plastik verschrieben, nämlich durch die Erhebung von Gebühren für Plastiktüten. Der Plan für dieses Jahr ist, dass die Plastiktüte komplett aus den Läden verschwindet. Zum Glück haben viele von uns bereits ständig einen niedlichen faltbaren Stoffbeutel im Rucksack, um eine dieser „oh nein, ich habe schon wieder vergessen, eine Tasche mitzubringen!”-Situationen zu vermeiden.

Einen Schritt weiter gehen sogenannte Unverpackt-Läden. Sie bieten alle Produkte „lose” an, also ohne jegliche Verpackungen – und zwar um Plastikmüll komplett zu vermeiden. Die Läden unterstützen Nachhaltigkeit und setzen zusätzlich auf regionale und saisonale Produkte. Also, schnapp’ dir deinen Mehrwegbehälter, und füll’ dir ganz einfach dein eigenes Müsli, Mehl und Nudeln ab. Und wenn du dir Gedanken bezüglich Hygiene machst – kein Grund zur Sorge, die Unverpackt-Läden halten sich in der Regel an strikte Hygiene­vorschriften.

2. Kauf’ mehr nachhaltige Kleidung

Nach Schätzungen der Weltnaturschutzunion (IUCN) gelangen jedes Jahr etwa 1,5 Millionen Tonnen Mikrokunststoffe ins Meer. Zwei Drittel davon sind Fasern von Kleidung. 

Aber was kannst du dagegen tun?

Versuche, die Menge deiner Kleidungsstücke zu reduzieren, die aus Polyester und Nylon bestehen. Stattdessen solltest du dich darauf konzentrieren, natürliche Stoffe wie Baumwolle, Bambus oder Hanf zu kaufen. Und denk’ dran: Weniger ist mehr ;). Brauchst du wirklich jede Saison eine komplett neue Garderobe? #FastFashion #GreenLiving

Wir kennen alle das Phänomen, einen komplett vollen Kleiderschrank, aber trotzdem nichts zum Anziehen zu haben. Kaufe smart, und zwar Teile, die du miteinander kombinieren kannst. Wenn du das Gefühl hast, du machst das bereits oder sehnst dich einfach nach ein paar neuen Teilen, zieh’ los und statte ein paar Secondhand-Läden in deiner Gegend einen Besuch ab. Dabei hilfst du nicht nur der Umwelt, sondern trägst auch noch einzigartige Items, die sonst niemand hat. Eine weitere tolle Möglichkeit bieten Upcycling-Labels, die Kleidung aus Textilabfällen herstellen. Die sind nicht nur schick und unique, sondern zusätzlich komplett nachhaltig.

Wir schlagen zudem vor, dich (und andere!) durch die Macht des gesellschaftlichen Einflusses dazu zu motivieren, weniger Plastik zu benutzen. In einem Interview mit Hidden Brain erklärt der  Verhaltensökonom und Nobelpreisträger Daniel Kahnemann, dass der beste Weg, Menschen zu umweltbewussten Entscheidungen zu bewegen, der Social Proof, oder „Soziale Bewährtheit” sei.

In anderen Worten, wenn du weißt das „jeder” (aka die Leute, die du kennst) mehr auf ihren Plastikkonsum achten, bist du viel eher dazu geneigt, selbst damit aufzuhören, als wenn du einfach eine Statistik über die Schäden durch Plastik hörst.

Also, trommle deine Freund*innen zusammen: Ob’s nun ein Kleidertausch mit deinen Buddies, Arbeitskolleg*innen oder deiner Community ist, oder das Teilen eines neuen Ladens mit toller Secondhand Kleidung auf deiner bevorzugten Social-Media-Plattform – pusht euch gegenseitig dazu, auf unsere Umwelt zu achten. 

3. Essen und Plastikverpackungen

Wenn du es liebst, Essen von deinem Lieblings-Chinesen zu bestellen, sag ihnen, dass du zu deiner Bestellung kein Plastikbesteck möchtest. Und wenn du richtig committed bist, schwing’ dich auf dein Bike und hol’ die vegetarischen Frühlingsrollen in einer wiederverwendbaren Box (z.B. Tupperware) ab. 

Du kannst dasselbe Denken auch beim Lebensmitteleinkauf anwenden: Wenn du größere Mengen einkaufst, reduzierst du nicht nur Verpackungsmüll, sondern tust auch noch was Gutes für dein Bankkonto. Heute gibt es mehr und mehr nachhaltige Läden, die es dir erlauben, deine wiederverwendbare Behälter von Zuhause mitzubringen. Um die für dich beste Option zu finden, check’ diese Liste aller Unverpacktläden in Deutschland – nach Bundesländern unterteilt. 

Zero Waste Nerd Shia Su schlägt vor, dass du, wenn du komplett auf Einwegverpackungen für Obst und Veggies verzichten möchtest und dir organische Produkte leisten kannst, lokale Bauernmärkte besuchst, einem CSA („Community supported agriculture”) beitrittst, oder sogenannte „Biokisten” bestellst.

Sogar Technologieunternehmen nehmen Plastikmüll zur Kenntnis – Apple hat bereits Änderungen an der iPhone-Verpackung vorgenommen und verwendet laut Business Insider 84 Prozent weniger Kunststoff.

4. Unterstütze den guten Zweck

Vorausdenkende Unternehmen wie Loop bieten eine neue Zero-Waste-Plattform an. Das Programm bietet Konsumenten Produkte an, die in Mehrwegverpackungen geliefert werden, die zurückgegeben und wiederverwendet werden können. Für den Moment ist Loop in New York und Paris erhältlich und hat gerade in Zusammenarbeit mit Tesco ein Pilotprogramm in England gelauncht. Jedoch will es in 2021 in weiteren Ländern, einschließlich Deutschland, an den Start gehen.

Ein weiterer Ansatz ist es, Non-Profit-Organisationen zu unterstützen, die unermüdlich daran arbeiten, das Plastikproblem zu lösen. Ozeankind, eine Umwelt-NGO und Partner im Lemonade Giveback Programm, bringt Volontäre für die sogenannten Plastikrebell CleanUps zusammen, in denen so viel Plastik und Müll wie möglich gesammelt wird. Seit November 2017, als das erste CleanUp Event stattgefunden hat, haben mehr als 1.000 Leute in 36 Ländern an 20 Events teilgenommen und es geschafft, mehr als 55 Tonnen Abfall zu sammeln! 

One Earth – One Ocean ist eine weitere wundervolle Umwelt-NGO, die Teil des Lemonade Giveback Programms ist. Mithilfe ihres „Maritimen Müllabfuhr”-Konzeptes nutzen sie spezielle Müllsammelschiffe, um Plastik einzusammeln, das anschließend recycelt bzw. in schwefelfreies Heizöl verwandelt wird.

Obwohl es keinen magischen Weg gibt, unser Plastikproblem zu lösen, gibt es dennoch eine wachsende Bewegung besorgter Einzelpersonen und Communities, die sich gemeinsam für Veränderungen stark machen. Wir können den entstandenen Schaden nicht rückgängig machen, aber wir können gemeinsam für Lösungen kämpfen, um den Planeten für kommende Generationen besser zu machen.

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