Auch wenn du nicht in die Gruppe des Pflegepersonals, Kassierer:innen, der alleinerziehenden Mütter/ Väter, oder der von online- vs. Frontalunterricht gestressten Lehrer:innen gehörst, ist das Corona-Jahr höchstwahrscheinlich nicht komplett spurlos an dir –und besonders deinem Seelenleben – vorbeigezogen. Laut dem Glücksatlas 2020, einer Studie der Deutschen Post, ist die Gesamt-Lebenszufriedenheit der Deutschen im letzten Jahr leicht gesunken. 

Doch die gute Nachricht ist: Menschen sind in der Regel dazu in der Lage, sich relativ schnell an neue Lebenssituationen anzupassen. Eine bekannten Studie der Northwestern University hat herausgefunden, dass jemand, der 20 Millionen Dollar im Lotto gewann, ein Jahr später nicht glücklicher war als vorher. Ähnlich passen sich Menschen, die gelähmt werden, nach ein paar Jahren emotional an die bestehende Situation an und sind anschließend in der Regel nicht unglücklicher.

Glücklich sein - Anpassungs-Prinzip

Obwohl man der Meinung sein könnte, dass die genannten Ereignisse das Glücksniveau erheblich beeinflussen – und zwar dauerhaft –, gewöhnt sich ein:e Millionär:in an die neue Villa, und auch Querschnittsgelähmte passen sich den neuen Umständen an. Der Kontrast zwischen ‘vorher’ und ‘nachher’ verschwimmt und die neue Normalität wird zum Ausgangspunkt des täglichen Lebens.

Was heißt das jetzt für uns vor dem Hintergrund des Corona-Jahres? Es bedeutet, dass wir uns früher oder später an die veränderten Umstände anpassen und zu unserem Ausgangslevel zurückkehren, was unser persönliches Glücksempfinden angeht. Also höchstwahrscheinlich sind wir irgendwann wieder genauso glücklich oder unglücklich wie vor der Pandemie. 

Das klingt im Endeffekt erstmal gut. Doch wahrscheinlich fragst du dich jetzt: Wie sieht das Ganze in der Realität aus und wie können wir das eigene Glück beeinflussen? Keine Sorge – dazu kommen wir gleich. 

Die Glücksformel – was unser Glücklichsein beeinflusst

Laut der Glücksforschung von Martin Seligman, dem Gründer der Positiven Psychologie, gibt es tatsächlich eine Formel, die unser Glücksgefühl bestimmt. Diese setzt sich folgendermaßen zusammen: 

Glücklichsein = Vererbung (50 Prozent) + Lebensumstände (10 Prozent) + Tägliche Aktivitäten/ ‘Willen’ (40 Prozent)

In anderen Worten, wie glücklich du bist, wird zur Hälfte von deinen Genen bestimmt, zu 40 Prozent  von deinen täglichen Aktivitäten, und nur zu einem sehr kleinen Prozentsatz von dem, was dir sonst so in deinem Leben passiert (wie beispielsweise einer Gehaltserhöhung).

Aus Martin Seligman’s Theorie ergeben sich folgende zwei Action-Items, die leichter umzusetzen sind, als du denkst:

1. Wähle tägliche Aktivitäten, die dein Wohlbefinden boosten

2. Versuche deine genetische Prädisposition zum Glücklichsein zu beeinflussen

Was du jeden Tag tun kannst

Erinnerst du dich an unser Beispiel vom Anfang des Artikels, bei dem Menschen sich an einen Lottogewinn gewöhnen, oder daran, querschnittsgelähmt zu sein? Auf genau diese Weise gewöhnen wir uns an so ziemlich alles, und es wird Teil unseres täglichen Lebens (mit ein paar Ausnahmen versteht sich). In Psycholog:innensprache nennt man dies das ‘Anpassungs-Prinzip’. Und wer kennt es nicht, dieses Gefühl nach langen, arbeitsintensiven Monaten endlich die Bachelorarbeit abzugeben? Du schwebst auf Wolke 7, in deinem Kopf erklingen die Tunes zu ‘Geiles Leben’. Die Freude über den Meilenstein, den du soeben erreicht hast, ebbt jedoch meist schneller wieder ab als du „Ökotrophologie” sagen kannst.

Wie schon beschrieben, bedeutet das auf Corona bezogen, dass wir längerfristig gesehen sehr wahrscheinlich wieder zu unserem Ausgangslevel zurückkehren, was unser subjektives Glücksgefühl angeht. Doch was kannst du tun, wenn die ‘Anpassung’ für dich nicht eingetreten ist und du trotzdem immer wieder in ein Loch fällst, bzw. wenn du einfach gerne glücklicher wärst?

Hier ein paar praktische Tipps für jeden Tag, um dein persönliches Glückslevel zu boosten: 

1. Ändere deine Routine so oft wie möglich

Was tun:

Falls du das bisher noch nicht getan hast, beginne deinen Arbeitstag mit einem Spaziergang. Probiere zur Abwechslung eine andere Sportart aus. Mache einen Kurztrip in einen Ort in deiner Nähe, an dem du noch nie warst. Melde dich für einen Online-Kurs an, um eine neue Fähigkeit zu erlernen (wie wäre es mit Origami, oder der vietnamesischen Küche? #fernweh). Deinen inneren Schweinehund zu überwinden und was Neues auszuprobieren, ist definitiv nicht einfach – sobald du’s aber mal geschafft hast, wirst du merken, wie gut es dir eigentlich tut. Warum das so ist, erklären wir jetzt.

Das Warum: 

Während wir uns an die Dinge gewöhnen, die wir jeden Tag sehen und tun, ist unser Gehirn besonders empfänglich für neue Infos und Reize. In anderen Worten: Unsere kleinen grauen Zellen nehmen Veränderung als lebenswichtige Info wahr, der wir Aufmerksamkeit schenken müssen. Dasselbe gilt nicht für gleichbleibende Zustände. 

Aus diesem Grund haben neue aufregende Dinge und Aktivitäten einen viel stärkeren Einfluss darauf, wie glücklich wir uns fühlen, als die gewohnten Dinge, die wir im Alltag antreffen.

2. Halte kurz inne & schätze deine (positiven) Erlebnisse

Was tun:

Erinnere dich an ein positiven Moment mit einem:einer deiner Freund:innen. Denk’ daran, wie ihr das letzte Mal zusammen gelacht habt (auch wenn’s nur über die Smartphone-Kamera war). Manchmal hilft es auch schon, einen Song zu hören, der dich an einen spezifischen, schönen Moment erinnert. Schreib’ dir, bevor du schlafen gehst, drei Dinge auf, für die du an diesem Tag dankbar warst.

Das Warum:

Weil wir uns so schnell an neue Umstände gewöhnen, müssen wir extra hart dafür arbeiten, um uns über das zu freuen, was gut in unserem Leben läuft oder über die Meilensteine, die wir erreicht haben. Hast du jemals extrem viel Energie in die Planung eines Events investiert, um konntest dich erst dann über deinen persönlichen Erfolg freuen, als das Event schon lange vorbei war?

So wie es David Brooks in einer Stellungname der New York Times beschreibt:

„Als der Herausgeber meines ersten Buches anrief, um mir mitzuteilen, dass ich es auf die Bestsellerliste geschafft hatte, war es fast so, als wäre gar nichts passiert. Es hat sich nicht wie ein Teil von mir angefühlt. Wenn du dein Leben auf Karriereerfolge ausrichtest, werden deine Ambitionen immer in den Weg von dem geraten, was du eigentlich erreicht hast – und das macht dich am Ende total unzufrieden.”

Um dem entgegenzuwirken, nimm dir etwas Zeit, führe dir die guten Dinge, die passieren, vor Augen, schreib diese vielleicht sogar auf oder besprich sie mit anderen. Proband:innen, die es zu einer Gewohnheit machten, drei Dinge für die sie dankbar waren, aufzuschreiben, fühlten sich, laut einer berühmten Studie von Prof. Martin Seligman, nicht nur direkt anschließend glücklicher, sondern auch noch nach einer Woche, einem Monat und sechs Monaten.

3. Priorisiere deine (zwischenmenschlichen) Beziehungen

Was tun:

Investiere in deine Freundschaft und Beziehungen. Mache so viele Pläne mit Freund:innen wie möglich – auch wenn das momentan bedeutet, die gefühlt 1000. Happy-Hour über Zoom zu planen oder den 50. Spaziergang zusammen um den See zu machen. Führe tiefsinnige Gespräche mit deinen Freund:innen und deiner Family. Teile deine Glücksmomente, auch die eher banalen, mit anderen Menschen – und am besten mit denen, die dir am wichtigsten sind.

Tiefsinnige Gespräche

Das Warum:

Es gibt einige Dinge, an dir wir uns nie komplett ‘gewöhnen’, und Beziehungen sind eine davon. Unsere Freund:innen (und Family) teilen unsere glücklichen Momente, und trösten uns, wenn wir traurig sind. Sie bringen uns zum Lachen, und halten die Einsamkeit fern. Sie sind das Allzweckmittel für ein glückliches, erfülltes Leben:

„Wenn du vorhersehen möchtest wie glücklich jemand ist, oder wie lange er:sie leben wird, solltest du etwas über seine:ihre sozialen Beziehungen herausfinden… Kein Mann, Frau, oder Kind existiert in einem Vakuum. Wir sind ultrasoziale Kreaturen, und wir können ohne Freund:innen nicht glücklich sein.” NYU Prof Jonathan Haidt

Wie du dein Gehirn neu vernetzt

Jetzt, da du weißt, wie du deine täglichen Aktivitäten anpassen kannst, um dein Glückslevel zu erhöhen, lass’ uns die genetische Komponente des Glücklichseins angehen. Deine Gene bestimmen die Hälfte deiner Glücksgefühle zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Und während diese größtenteils statisch sind, gibt es zwei wichtige Dinge, die du tun kannst, um die Fähigkeit deines Gehirns, Glück zu empfinden, zu erhöhen:

1. Sport machen 

Was tun: 

Beweg’ dich für 20 Minuten am Tag, und zwar jeden Tag.

Das Warum:

Bewegung fördert Neurogenese (aka die Bildung) und Freisetzung unserer Glückshormone (Endorphin und Serotonin), die allesamt das Gehirn verändern und das Glücksempfinden steigern.

Es ist auf keinen Fall nötig, gleich für 10 km joggen zu gehen, um Nutzen aus Sport zu ziehen. Wenn du für 20 Minuten eine höhere Herzfrequenz hast, reicht das schon aus. Beachte nur, dass die Wirkung von Sport nur von kurzer Dauer ist – wenn du montags trainierst, bist du dienstags nicht automatisch glücklicher. Der Schlüssel liegt darin, konsequent durchzuhalten. Beispielsweise reicht schon schnelles Spazierengehen, um die Neurogenese anzukurbeln. Damit du den Überblick über deine Aktivität, Schritte und eventuell zurückgelegte Route behältst, empfiehlt sich eine App, wie ‘Google Fit’ (Android) oder ‘Schrittzähler – Kostenloser Aktivitätstracker’ (Android & iOs). Zu sehen, was man geschafft hast, ist motivierend und hilft dir dabei, am Ball zu bleiben.

2. Meditiere – auf der Suche nach dem inneren Zen

Was tun: 

Meditiere jeden Tag 2 Minuten lang, 21 Tage hintereinander.

Das Warum: 

Meditieren reduziert dein Level an Stresshormonen (Kortisol), schrumpft den Teil deines Gehirns, der Sorgen und Angst beeinflusst (die Amygdala), und aktiviert die Happy-Zone (den präfrontalen Kortex) – und erweitert so deine neurologischen Kapazitäten zum Glücklichsein.

Und so wie’s auch schon mit dem Sport ist, liegt der Schlüssel für hilfreiche Meditation in Beständigkeit und nicht Dauer. Hast du noch nie meditiert und weißt gar nicht, wo du starten sollst? Check am besten deinen App-Store/Play-Store für passende Meditationsapps, so wie beispielsweise ‘Headspace’. Es gibt inzwischen unzählige gute Angebote, die du ganz easy in deinen Alltag integrieren kannst.

Vier Regeln, an die du dich halten solltest, um glücklicher zu sein

Das war ziemlich viel Input. Hier die Kurzform:

1. Mache bewusst neue Erfahrungen

2. Sei dankbar & schätze die guten Dinge in deinem Leben

3. Priorisiere deine Beziehungen zu anderen

4. Trainiere deinen Körper & Geist

Proaktiv zu sein, und dein Glück selbst in die Hand zu nehmen, ist nicht easy. Aber aus Erfahrung wissen wir: Dinge, die es wirklich wert sind, sind selten einfach.

Wenn du dein Glücklichsein priorisierst, hat das Auswirkungen auf dein gesamtes Leben, und stärkt nicht nur deine Fitness und dein Sozialleben, sondern auch deine Produktivität und Kreativität. 

Schlussanmerkung

Es gibt natürlich Ausnahmefälle, wie Schicksalsschläge, in denen ein paar einfache Hacks nicht ausreichen, damit du dich besser/ glücklicher fühlst. Beispielsweise in Fällen, in denen dein Ausgangs-Glückslevel so niedrig ist, dass du es alleine nicht schaffst, deinen Zustand zu verbessern. Sollte dies der Fall sein, wende dich unbedingt an eine:n Spezialist:in und nehme professionelle Hilfe in Anspruch.

Du bist der Meinung, die Tipps haben dir weitergeholfen? Auf unserem Lemonade Blog findest du weitere praktische Lifehacks – schau gerne vorbei.

Share